18.03.2019 | Ausgabe 3/2019

Das Kabel hat ausgedient

Zutrittskontrolle mit kabelloser virtueller Vernetzung

Die neuen elektronischen Türkomponenten nutzen den gleichen Bluetooth-Chip für Mobile Access und die Funkvernetzung, weshalb sie auch als Updater im virtuellen  Netzwerk genutzt werden können. / Quell: Salto Systems

Die neuen elektronischen Türkomponenten nutzen den gleichen Bluetooth-Chip für Mobile Access und die Funkvernetzung, weshalb sie auch als Updater im virtuellen Netzwerk genutzt werden können. / Quell: Salto Systems

Auf der Messe Security 2018 wurde eine Neuheit präsentiert, die virtuell vernetzte Zutrittslösungen ermöglicht, in denen funkvernetzte elektronische Beschläge und Zylinder als kabellose Updater fungieren. Das führt zu mehr  Sicherheit, Komfort und Effizienz.

Zutrittslösungen auf Basis von virtuellen Netzwerken haben sich mittlerweile als sicherer   nd effizienter Standard für gewerbliche Objekte durchgesetzt. Sie verbinden eine Online-Zutrittskontrolle an den Außentüren mit offline vernetzten kabellosen Türkomponenten an Innentüren. Sie bieten mehr Flexibilität und Sicherheit als Mechanik und kommen gleichzeitig ohne teure Verkabelung oder Funkinfrastruktur  der gesamten Anlage im Innenbereich aus. In einem virtuellen Netzwerk befinden sich sämtliche Zutrittsberechtigungen ausschließlich auf dem Identifikationsmedium bzw. der Zutrittskarte. Das heißt, in den kabellosen und batteriebetriebenen elektronischenBeschlägen oder Zylindern sind keine Berechtigungen  gespeichert. Sie prüfen beim Vorhalten der Karte lediglich, ob diese an der Tür berechtigt ist oder nicht und geben die Tür gegebenenfalls frei. Gleichzeitig schreiben die Türkomponenten Informationen über gesperrte Identmedien oder beispielsweise Batteriestände auf die Identmedien und geben sie somit weiter.  die Aktualisierungspunkte, die zugleich als Zutrittsleser und Update-Terminal fungieren und üblicherweise an Haupteingängen oder neuralgischen Punkten innerhalb von Gebäuden platziert sind, übertragen die ausgelesenen Daten schließlich an den zentralen Server und übermitteln parallel die aktuellen Zutrittsberec htigungen auf die Identmedien.

Die gesamte Datenübertragung – von der  Software zu den Update-Punkten, von dort zu  den Identmedien, von da zu den Türkomponentenund wieder zurück – erfolgt verschlüsselt und ist somit gegen Abhören und Kopieren  geschützt.

Effizienz
Der Hersteller Salto hat nun eine Neuentwicklung im Programm, bei der nicht nur die verkabelten Online-Wandleser, sondern auch funkvernetzte (Wireless-)Beschläge und Zylinder Zutrittsrechte aktualisieren können. Somit erfolgt die Aktualisierung da, wo sie gebraucht wird: direkt an der Tür. Die neue Methode erreicht  aufgrund der Funkvernetzung einzelner Türen nicht nur mehr Sicherheit an diesen Zutrittspunkten, sondern auch an den vielen weiterhin klassisch virtuell vernetzten Türen dahinter – und das, ohne teure Verkabelung oder Wireless-Infrastruktur für die gesamte Anlage. Mit dem neuen System werden die Kosten für zusätzliche Update-Punkte innerhalb von Gebäuden drastisch sinken. Da Endanwender keine verkabelten Komponenten wie Wandleser oder Steuerungen für die Aktualisierung benötigen, reduzieren sich die Ausgaben für Hardware und Installation. Gleichzeitig bleibt die kosteneffiziente Architektur der virtuell vernetzten Komponenten erhalten, da nur einzelne Türen als funkvernetzte Updater defi iert werden. In der Vergangenheit war es aufgrund von Kosten oder Installationshemmnissenunter Umständen schwierig bzw. teuer, mehrere  Aktualisierungspunkte in einem Gebäude bereitzus tellen. Mit den Updates an funkvernetzten Beschlägen und Zylindern ergeben sich jetzt vielfältige Möglichkeiten: Notausgänge, Flurtüren, Tore, Gästezimmer – jededieser Türen kann ab sofort zu einem mehr als  erschwinglichen Preis als Aktualisierungspunkt dienen.

Sicherheit
Zugleich erhöht ein System mit dem neuen  Konzept die Sicherheit, da die Türen mit Updatern per Wireless-Technologie in Echtzeit funkvernetzt sind und der Datenfluss zu den dahinterliegenden Offline-Türen viel schneller vonstattengeht. Das heißt, kritische Informationen wie Blacklists, Batteriestatus etc. werden nun rascher von den Offline-Türen an den Server und zurück übertragen und Zutrittsrechte öfter aktualisiert. Da die neue Technologie auf einem virtuellen Netzwerk basiert, profitieren Anwender natürlich auch von dessen Hauptvorteilen. Mithilfe der komplett kabellosen und netzunabhängigen Ausrüstung mit elek-tronischen Beschlägen und Zylindern wird die Zutrittsverwaltung einfacher und sicherer als mit jeder mechanischen Anlage und zugleich kostengünstiger als mit komplett verkabelten oder funkvernetzten Systemen. Und selbst bei einem Netzwerk- oder Stromausfall funktioniert das Zutrittssystem über das virtuelle Netzwerk weiter und stellt sicher, dass niemand ausgesperrt wird oder unerwünscht  Zutritte erfolgen. 

Benutzerfreundlichkeit
Neben den genannten Vorteilen bietet die Weiterentwicklung auch mehr Komfort für die  Nutzer des Systems, denn die müssen nun nicht mehr zu bestimmten Türen oder Stellen gehen, um ihre Karten zu aktualisieren – was bislang insbesondere bei großen Anlagen vorkommen kann. Jetzt können sie ihre Zutrittsrechte jederzeit   abellos aktualisieren, da jede Tür als Updater aktiviert werden kann. Betreiber können die Türen mit der größten Benutzungsintensität als Updater auswählen und diese Wahl sogar nachträglich anpassen, wenn sich die Belegung von Gebäuden, Stockwerken oder Büros ändert. Sie haben die freie Wahl innerhalb der installierten Basis und die Nutzer können auf ihren natürlichen täglichen Laufwegen innerhalb einer Liegenschaft bleiben, anstatt zu bestimmten Punkten gehen zu müssen, an denen sie normalerweise nicht vorbeikommen würden. Dies führt auch zu einer höheren Akzeptanz des Zutrittskontrollsystems.

Im „SVN-Flex“ von Salto fungieren die kabellosen elektronischen Beschläge und Zylinder als Updater im virtuellen Netzwerk./ Quelle: Salto Systems

Funktionsweise 
Die virtuelle Vernetzung mit funkbasierten  Updatern basiert auf zwei Kerntechnologien: einem klassischen virtuellen Netzwerk mit Data-on-Card-Technologie und bidirektionaler verschlüsselter Datenübertragung sowie einer Funkvernetzung. Im virtuellen Netzwerk werden die Schließberechtigungen auf dem Identmedium gespeichert, wodurch eine Verkabelung der Türen mit elektronischen Beschlägen und Zylindern entfällt. Die Funkvernetzung  uf Basis von Bluetooth verbindet die kabellose elektronische Türhardware mit Nodes, die wiederum via IP-basierte Gateways über Ethernet mit dem Server kommunizieren. Ein Gateway mit eingebautem Node kann dabei mehrere Beschläge und Zylinder ansprechen – gegebenenfalls über weitere Nodes sowie Repeater – und so mehrere Zutrittspunkte  über eine IP-Adresse verarbeiten. Die Funkvernetzung bietet eine Vielzahl von Funktionen für die Türsteuerung in Echtzeit: Türzustandsüberwachung, Fernöffnung, Öffnungsalarme oder Notschließungen lassen sich jeweils über die Managementsoftware programmieren und automatisieren. Aufgrund seiner Eigenschaften eignet sich Bluetooth besser für die Übertragung von größeren Datenmengen als andere Funktechnologien. Damit ist es möglich, auch klassische Zutrittsdaten wie Zutrittsrechte, Blacklists, Türstatus, Batteriestatus etc. zuverlässig zu übermitteln – und das bidirektional. Zugleich ist die Kommunikation stabiler, denn die Chips wählen permanent die besten Übertragungskanäle, abhängig von den Umgebungsbedingungen und der Belegung (Frequency Hopping). Das neue Konzept wird erst dadurch rund, weil die zugehörige Hardware von Hause aus mit Bluetooth an  Bord für Mobile Access ausgestattet ist und der gleiche Chip auch für die Funktechnologie verwendet wird. Dadurch bedarf es lediglich eines Klicks in der Software für die Konfiguration von funkvernetzten eschlägen und Zylindern als Updater, ohne an der Hardware Änderungen vornehmen zu müssen.