12.09.2018 | Ausgabe 09/2018

Welche Anforderungen muss ein CDE erfüllen?

Verbesserte Kommunikation bei BIM-Projekten

Wird BIM in eine Projektplattform integriert, gibt es für alle Projektbeteiligten einen zentralen Anlaufpunkt für alle Daten und Prozesse inklusive aller BIM-Daten. Hierbei spricht man von einem sogenannten Common Data Environment (CDE). / Quelle: think project

Riesige Mengen an Daten spielen bei BIM-Projekten eine zentrale Rolle. Um diese Datenmenge in den Griff zu bekommen und sie in ein geordnetes Informationsmanagement zu überführen, hilft ein Common Data Environment (CDE). Damit haben alle am Bau beteiligten Parteien jederzeit Zugriff auf alle projektrelevanten Informationen. Doch welche Anforderungen muss ein BIM-fähiges CDE erfüllen? 

BIM sorgt für einen nahtlosen Informationsfluss vom Beginn eines Bauprojekts bis zum Facility Management. Es vermittelt sämtliche Informationen, von den Grundrissen bis hin zu den verbauten Werkstoffen, der Lebensdauer von Anlagen und den erforderlichen Wartungsplänen. Zudem macht BIM die Verknüpfung von Objekten und  weiteren Detailinformationen mit Modellen möglich. Die Grundlage für eine solche Arbeitsweise sind natürlich Daten – und zwar  ede Menge Daten.  

Ein CDE als zentrale Datenquelle
Die Datenmengen in Bauprojekten nehmen heutzutage kontinuierlich zu. Gerade bei BIM-Projekten explodieren diese Datenmengen geradezu. Daher erfordern BIM-Bauprojekte die gesteuerte Koordination aller existierenden Projektdaten: ein unternehmensübergreifendes Informationsmanagement. Dafür ist eine zentrale Datenquelle nötig, auf die alle Projektbeteiligten Zugriff haben: in einem Common Data Environment (CDE). Damit werden die Projektdaten zentral gesammelt, verwaltet und verteilt. Neben älteren Versionen sind aber auch diejeweils aktuellsten BIM-Modelle und Dokumente  immer sofort im CDE sichtbar. Mit Hilfe eines CDEs kann das Risiko von Informationsverlusten minimiert werden. Zudem können standardisierte Prozesse festgelegt und Fehler im Informationsmanagement oder Kommunikationsprobleme zwischen den Projektbeteiligten verhindert werden. Kurz gesagt, sorgt ein Common Data Environment für eine bessere Zusammenarbeit, und das über Unternehmensgrenzen hinweg. Doch was sind nun die typischen Anforderungen an ein CDE? Im Folgenden sind die wichtigsten Anforderungenkurz zusammengefasst. 

BIM ist mehr als nur Software. Es geht vor allem darum, wie in Projekten miteinander gearbeitet wird. Daher sollte BIM auch als eine Arbeitsmethode verstanden werden, in der Collaboration im Fokus steht. / Quelle: think project!

Technische Anforderungen an ein CDE
Ein CDE sollte cloudbasiert sein, damit der Zugriff zu jeder Zeit und ortsunabhängig möglich ist, ohne zusätzliche Software installieren zu müssen. Zudem sollte die Technik unabhängig von der IT-Infrastruktur des Unternehmens sein. Dies ist besonders wichtig, um Projektbeteiligte  einfach und sicher einzubeziehen. Außerdem ist zu beachten, dass ein CDE keine spezialisierte Lösung für nur eine bestimmte Art von Information ist. Denn: Pläne, Dokumente und BIM-Modelle werden durch festgelegte Kommunikationsflüsse gesammelt und können durch Hinzufügen von Metadaten kategorisiert werden. So ist das CDE eine ganzheitliche Lösung, die mit all diesen Informationen umgehen sollte – vom Speichern bis zur Verknüpfung der Daten. Erst dadurch entsteht ein Informationsnetzwerk, das ein umfassendes Abbild des Projektes bietet. Voraussetzung dafür ist jedoch, dass das CDE für alle wichtigen Dateiformate der Projektbeteiligten kompatibel ist. 

Als zentraler Informationsknotenpunkt muss das CDE für alle Projektmitglieder der verschiedenen Unternehmen zugänglich sein. Deshalb spielt ein effektives Rechtemanagement eine wichtige Rolle bei der Auswahl einer BIM-fähigen Projektplattform. Das CDE  sollte es ermöglichen, dem Team und anderen Projektmitgliedern eindeutige Zugriffsrechte zu geben. Des Weiteren sollte der Informationsfluss zwischen den Baubeteiligten je nach Projektanforderung entsprechend steuerbar sein. Zudem werden Informationen nicht nur vor Ort, sondern meist in einem mehrstufigen Prozess erstellt. Überprüfungs-, Genehmigungs- und Verteilungsprozesse werden mithilfe eines CDEs auf einfache Art und Weise ermöglicht. Werden diese Workflows automatisiert, können alle Projektmitglieder effizienter zusammenarbeiten. Das CDE sollte sowohl einfache Workflows (z. B. automatische Verteilung eines BIM-Modells) als auch komplexe Workflows (z. B. mehrstufiger Genehmigungsprozess) ermöglichen.

Die in einem CDE verwalteten Informationen werden nicht nur im Büro, sondern auch auf der Baustelle benötigt. Da die Projektmitglieder vor Ort typischerweise nur auf ihre Smartphones oder Tablets zugreifen können, ollte das CDE eine Oberfläche, speziell für mobile Geräte, bereitstellen. Darüber hinaus  können Apps, die für bestimmte Aufgaben oder Prozesse entwickelt wurden, die Informationseingabe vor Ort (auch offline) und die Synchronisierung mit dem CDE erleichtern.  

Zudem sollte ein CDE nicht nur Informationen verwalten, sondern auch einen Überblick und Erkenntnisse durch Reportings geben können. Solche Berichtsfunktionen  helfen Projektmanagern, den Baufortschritt im Auge zu behalten und gegebenenfalls nötige Maßnahmen zu ergreifen, bevor Probleme außer Kontrolle geraten. Außerdem spielt das Thema API bei der CDE-Auswahl eine große Rolle. Die meisten Mitglieder von Projektteams sind es gewohnt, für die tägliche Arbeit Standardprogramme wie etwa Microsoft Outlook zu verwenden. Die Bereitstellung von Konnektoren stellt sicher, dass alle relevanten Informationen für eine vollständige Dokumentation im CDE enthalten sind. Außerdem ist die Verfügbarkeit einer offenen Schnittstelle (API) wichtig, um spezielle BIM-Software mit dem CDE für den automatischen Datenaustausch zu verbinden.

Anforderungen an den Anbieter
Collaboration und Informationsmanagement sind insbesondere in den Bereichen des Bauund  Ingenieurwesens komplexe Themen mit sehr spezifischen Anforderungen. Deshalb ist es wichtig, nach einem strategischen Partner zu suchen, der auf die Branche spezialisiert ist und somit die notwendige Expertise zur Verfügung stellt. Des Weiteren zeichnet einen Partner aus, dass er nicht nur eine Softwarelösung bereitstellt, sondern darüber  hinaus auch Beratungsleistungen sowohl auf strategischer als auch auf Projektebene erbringt, um den Erfolg der CDE-Implementierung sicherzustellen. Laufender Service und Support wie Bugfixing, eine Kundenhotline und vieles mehr sind ebenfalls ein Muss für einen CDE-Anbieter. Und man sollte nicht vergessen:  Die meisten Unternehmen kennen  icht alle Prozesse, Workflows und Anforderungen der Collaboration und des Informationsmanagements bis ins kleinste Detail. Die  Funktionalitäten einer Projektplattform sollten daher immer mit dem Prozesswissen und den entsprechenden Anforderungen wachsen können.

Und nicht zu guter Letzt spielt auch das  hema Sicherheit eine relevante Rolle bei der Auswahl eines CDEs. Da ein CDE normalerweise in einer Cloud betrieben wird, spielen Sicherheitsaspekte eine wichtige Rolle.  Neben einer SSL-Verschlüsselung sollte ein Plattform-Login durch eine Art von Authentifizierung  eschützt werden. Außerdem ist die Zertifizierung nach einem international anerkannten  tandard für Informationssicherheit für eine langfristige Geschäftspartnerschaft  zwingend. Des Weiteren ist die Einhaltung der Datenschutzgesetze (DSGVO) ein wichtiger Sicherheitsaspekt. Anbieter sind in der Pflicht, hierfür Schritte zu unternehmen, um die gesetzlichen Anforderungen in ihren Abläufen entsprechend umzusetzen.

Fazit
Anhand verschiedener Punkte zu technischen Anforderungen an Softwarelösung sowie Anbieter kann ein geeignetes Common Data Environment für Projekte ausgewählt werden.  Damit wird man Herr der Datenmenge seiner Bauprojekte. Im CDE werden nicht nur alle Projektinformationen gesammelt, verwaltet und verbreitet. Durch ein CDE wird außerdem sichergestellt, dass jeder Stakeholder zu jedem Zeitpunkt des Projekts immer die aktuellsten BIM-Modelle und Dokumente zur Hand und Zugriff auf alle wichtigen weiteren Informationen hat. Damit können standardisierte Prozesse festgelegt und Fehler im Informationsmanagement oder Kommunikationsprobleme zwischen den Projektbeteiligten deutlich verringert bzw. nahezu ausgeschlossen werden.

www.thinkproject.com