15.06.2018 | Ausgabe 06/2018

Neue Technik für die Gebäudehülle - Leitungsführung über die Fassade

Quelle: EnAGENDA

Bis ins Jahr 2050 sieht das Energiekonzept der Bundesregierung einen nahezu klimaneutralen Gebäudebestand vor. Dieses Ziel kann aber nur erreicht werden, wenn die Sanierungsrate im Gebäudebestand von derzeit ca.1,5 Prozent im Jahr auf mindestens 2,5 Prozent ansteigt. Selbst dann ist dieses Ziel wohl kaum zu erreichen, wenn man bedenkt, dass an knapp 9 Millionen Altbauten noch überhaupt keine oder nur geringfügige Verbesserungen des Wärmeschutzes vorgenommen worden sind. Aber auch im Bereich der Gebäudetechnik ist eine grundlegende Erneuerung notwendig, da vor allem die Bereitstellung von Primärenergie für ein Wohngebäude, für zum Beispiel Warmwasser oder die Heizung, nach neuen Techniken zur Gewinnung dieser Energie verlangt. Die Zeiten, in welchen durchmehr Verbrennung alles geregelt werden konnte, neigt sich definitiv dem Ende zu. Es wird vielmehr so sein, dass Gesamtlösungen gefragt sind und zwar für folgende Großgewerk übergreifende Bereiche: Gebäudehülle, Gebäudetechnik sowie Gewinnung und Erneuerung von Energie an einem Gebäude für das Gebäude.

Das Ganze muss sinnvoll koordiniert werden,sodass man erst dann – rückblickend nach der erfolgreichen Umsetzung der gesamten Maßnahmen – zurecht von einer gesamtheitlichen Betrachtung eines Gebäudes sprechen kann, für welches es galt eine energetische Sanierung zu betreiben. Das Endziel des zu erreichenden neuen Standards an den einzelnen Gebäuden definiert den Weg, über welchen die Projektierung und Umsetzung zur energetischen Sanierung eingeschlagen werden muss.

Funktionsfassade

Für die deutsche Bauwirtschaft bedeutet dieser Wandel eben nicht nur volle Auftragsbücher, sondern bringt auch die Verpflichtung mit sich, neue Lösungen und Bausysteme dem Markt zur Verfügung zu stellen. Ein Hauptaugen merkmuss darauf liegen, sich mehr mit Großgewerk übergreifenden Maßnahmen bereits bei der Planung einer energetischen Sanierung eines Gebäudes auseinanderzusetzen, alle zur Verfügung stehenden Lösungen ganzheitlich zu betrachten und in aufeinander abgestimmter technischer Form zur Anwendung zu bringen. Dies bezieht sich nicht nur auf Details wie den Fensteranschluss einer Gebäudedämmung an dieses begrenzende Bauteil in Form eines Fensteranschluss profils, sondern vielmehr auf die Überlegung, wie beispielhaft benannt diese beiden Gewerke (Außenwand und Fenster) als Teil der gesamten Gebäudehülle, welche an sich ein Großgewerk darstellt, zu verstehen und zu bearbeiten sind. In diesem Zuge bieten sich dann zusätzliche Lösungsmöglichkeiten an,welche auf einer anderen baulichen Ebene, zum Beispiel im Innenausbau, zu einer erheblichen Entlastung der Hausbewohner führen wird. So kann unter anderem die kontrollierte Leitungsführung in einer Funktionsfassade mit integrierten Leitungen aller Art, welche dann über die Fassade geführt werden, anstatt in Leitungsschächten oder Steigern im Innenbereich verlegt zu sein, die Bewohner dieses Gebäudes vor Schmutz, Staub und Lärm schützen und zudem eine Kosteneinsparung mit sich bringen. Diese Systeme sind keine klassischen Vorhangfassaden oder WDV-Systeme mehr, sondern vielmehr Funktionsfassaden, welche die Aufgabe haben neben der Wärmedämmung des Gebäudes und dem Schutz des Mauerwerksweitere Funktionen zu übernehmen. Die Koordination der Großgewerke „Gebäudehülle“und „Gebäudtechnik“ soll an dem folgenden Beispiel genauer erörtert werden.

----

3 Seiten