13.12.2018 | Ausgabe BAU 2019

Projektplanung nach BIM

Erweiterung eines Werksgeländes in Graben-Neudorf

Visualisiertes Planungsmodell des Werksneubaus mit Fußgänger- und Medienbrücke (Mitte) und neuem Werksgebäude (oben) / Quelle: Ingenieurbüro Grassl GmbH

Das deutsche Familienunternehmen für Antriebstechnik, SEW-Eurodrive, erweitert bis 2019 sein Werk am Standort Graben-Neudorf. Dabei wird die bestehende Werksgröße von 110.000 Quadratmetern nahezu verdoppelt. Hauptbestandteile der Erweiterung sind ein Werksgebäude, eine kombinierte Fußgänger- und Medienbrücke sowie eine Straßenbrücke.

Die Entwicklung des gesamten Projektes erfolgte nach der BIM-Methode. Dazu wurde bereits in der Entwurfsphase ein digitales  Gesamtmodell erstellt, welches im Zuge der Planung immer weiter detailliert wurde. Das Ingenieurbüro Grassl aus Stuttgart war für die Tragwerksplanung verantwortlich. Sie erstellten die Tragkonstruktion in den Programmen „Revit“ und „Tekla Structures“ und nutzten die direkten Schnittstellen zu „RFEM“, um hier die statische Berechnung durchzuführen. Querschnittsänderungen aus der Statik wurden  ieder zurück an Revit und Tekla Structures übergeben und am Bauwerksmodell aktualisiert.

Werksgebäude
Das Werksgebäude ist gegliedert in eine eingeschossige 28.000 Quadratmeter große  Produktionshalle, ein Technik- und Administrationsgebäude mit Büros und Sozialräumen sowie ein Hochregallager. Während im Technik- und Administrationsgebäude vorwiegend  Ortbeton verbaut wurde, kamen beim Hochregallager Stahlbeton- und Spannbetonfertigteile zum Einsatz. So wurden unten eingespannte Fertigteilstützen mit einer Länge von 30 Metern und einem Gewicht von bis zu 80 Tonnen sowie Spannbetonbinder mit 31,3 Meter Länge ausgeführt. Die eingeschossige  Produktionshalle hat ein Achsraster von 24 mal 24 Meter, in welchem eingespannte Stahlbetonfertigteilstützen angeordnet sind. Die Dachkonstruktion besteht aus Stahlfachwerkbindern mit parallelgurtigen 24 Meter langen Hauptträgern und 6 Meter langen Nebenträgern.

Fußgänger- und Medienbrücke
Die insgesamt 106,2 Meter lange Medienbrücke wird als wärmegedämmte Stahlfachwerkkonstruktion mit einer Breite von 3,4 Metern und einer Höhe von rund 2,45 Metern  ausgeführt. Die Stützweiten variieren, maximal werden 35,5 Meter im Einzelfeld überspannt. An die Medienbrücke wird unterseitig  über Zugstäbe die Fußgängerebene als Stahlkonstruktion abgehängt. Stahlbetonstützen bilden die Brückenauflager, welche Vertikalund Querlasten aufnehmen. Ein nordseitiger Stahlbetonschacht mit Treppe dient als Festpunkt zur Aufnahme der Brückenlängskräfte. Auch nach der Fertigstellung dieses BIM-Vorzeigeprojektes werden sich die Vorteile dermodellbasierten Planung auszahlen. So steht  dem Bauherrn ein Gesamtmodell mit hinterlegten Bauteilinformationen zur Verfügung, das ihn beim Betrieb, der Erhaltung oder bei Umbauten unterstützt.