20.05.2019 | Ausgabe 5/2019

Türen ohne Schwellen – für manche ein Muss

Hindernisfrei besser leben

Mit einem neuen System gehören störende und gefährliche Türschwellen der Vergangenheit an. / Quelle: Grundmeier KG

Für einige Menschen – vor allem ältere und körperlich eingeschränkte – sind Türschwellen mit einer Höhe von zwei Zentimetern ein echtes Hindernis. Um sie zu vermeiden, waren früher aufwändige und teure Sonderkonstruktionen erforderlich. Doch jetzt wurde eine Lösung entwickelt,  bei der Nullschwellentüren mit wenig Aufwand montiert werden können.

Ein Blick auf die demographische Entwicklung zeigt deutlich: Zukünftig wird der Anteil  an über 70-jährigen Menschen höher sein, als jemals zuvor. Doch diese Lebensphase ist häufig mit körperlichen Einschränkungen verbunden. So kann beispielsweise die Sehkraft nachlassen, weshalb man Hindernisse nicht mehr sofort wahrnimmt, die Knie können schmerzen oder die Kraft in Armen und Beinen schwindet. Das hat zur Folge, dass Dinge, die früher mühelos bewältigt werden konnten, heute ein Problem sind. So wird zum Beispiel das Aufstehen aus dem Bett zur Herausforderung oder der Teppich im Flur zur Stolperfalle. Und auch Türschwellen mit zwei Zentimetern Höhe – über die man sich als agiler Mensch noch keine Gedanken gemacht hat – können zur echten Barriere werden. Beispielsweise, wenn eine ältere Person einen Rollator nutzt und nicht mehr die Kraft hat, diesen über die Schwelle zu schieben. Oder wenn eine Person krankheits- bzw. altersbedingt einen schleifenden Gang hat. Sie wird von einer zwei-Zentimeter- Hürde nicht n r behindert, sondern  ernsthaft gefährdet, da sie mit den Schuhen hängen bleibt und im schlimmsten Fall stürzt.

Für viele ältere und geschwächte Menschen sind
Türschwellen mit einer Höhe von zwei Zentimetern ein
unüberwindbares Hindernis. / Quelle: iStock

Balanceakt eines Rollstuhlfahrers
Noch misslicher sieht es bei Rollstuhlfahrern aus. Sie werden von solchen Schwellen regelrecht ausgebremst. Um diese zu überwinden, sind sie gezwungen, das Gewicht im Rollstuhl derart zu verlagern, dass die vorderen Räder in der Luft sind. Anschließend müssen sie den Stuhl in dieser Position so weit nach vorne rollen, dass die vorderen Räder über die Schwelle gehoben werden. Erst dann können sie den Stuhl absenken und mit viel Kraft die hinteren, großen Räder über die Schwelle drücken. Eine motorische Aufgabe, die nicht nur viel Kraft, sondern auch Gleichgewichtssinn und Mut braucht – denn schließlich läuft man beim Ankippen jedes Mal Gefahr, zu viel Schwung zu nehmen und auf den Hinterkopf zu fallen, wenn der Rollstuhl nicht über eine entsprechende Schutzvorrichtung verfügt. Querschnittsgelähmte Personen können diese „akrobatischen Leistungen“ – je nachdem in welcher Höhe der Rückenmarksquerschnittbeeinträchtigt ist – gar nicht durchführen.  Ältere Menschen, die im Rollstuhl sitzen, weil die Muskulatur der Beine nachgelassen hat oder weil sie unter Schmerzen leiden, sind hier meist hoffnungslos überfordert. Und auch für das Pflegepersonal ist  eine zwei-Zentimeter-Schwelle eine zusätzliche Belastung. Denn selbstverständlich muss auch sie mehr Kraft aufbringen, um einen Rollstuhlfahrer über solch eine Hürde zu transportieren. Traurig – angesichts des Pflegenotstands.

Die DIN als gute Planungsgrundlage
Auf Grundlage der DIN 18040 sind bauliche Anlagen so zu gestalten, dass sie auch  von Menschen mit Behinderung nutzbar sind – und zwar ohne besondere Erschwernis und ohne fremde Hilfe. Hierbei sollen die Bedürfnisse von ganz unterschiedlichen Menschengruppen berücksichtigt werden. Dazu gehören zum Beispiel Personen mit Seh- oder Hörbehinderung, Menschen mit  kognitiven Einschränkungen oder auch Personen, die Mobilitätshilfen und Rollstühle benutzen. Die Norm macht Angaben über bauliche Maßstäbe wie Mindesttürbreiten, das maximale Steigungsmaß und auch die  zulässige Höchstgrenze einer Schwelle. So definiert sie, dass untere Türanschläge und Schwellen nicht zulässig sind. Sie dürfen nur dann eingebaut werden, wenn sie sich technisch nicht vermeiden lassen, und dürfen dann nicht höher als 2 cm sein. In der Tat waren bei Balkon- und Haustüren lange  Zeit exakt diese zwei Zentimeter technisch nicht vermeidbar – doch das gehört der Vergangenheit an. Inzwischen haben einige   ers eller die Zeichen der Zeit erkannt und entsprechende Systeme entwickelt.

Die Zahl der betagten Menschen nimmt immer mehr zu. Entsprechend steigt auch der Bedarf an barrierefreien Bauten. / Quelle: Grundmeier KG

Keine technische Notwendigkeit mehr
So hat beispielsweise ein Hersteller ein Türschwellensystem entwickelt, dass ohneunteren Anschlag oder Erhöhung im Bereich  der Türöffnung auskommt. Dabei hat es einen entscheidenden Vorteil: Im Vergleich zu einer herkömmlichen Tür sind nur wenige zusätzliche Elemente erforderlich. Und auch die Handgriffe der Montage bleiben weitestgehend gleich. Das System kann für Haustüren, Balkontüren mit Drehkippbeschlag  nd Stulptüren eingesetzt werden. Ein effizientes Dichtungssystem sorgt dafür, dass das Wasser draußen bleibt (Schlagregendichtheit bis zu Klasse A9 nach DIN EN 1027:2016-09 und DIN EN 12208:2000-06). Feuchtigkeit, wie zum Beispiel Regenwasser, wird über eine optimierte vorgelagerte Dränagerinne abgeleitet. Bei der Entwicklung der bodenebenen Türen hat dieser Beschlaghersteller noch einen weiteren wichtigen Aspekt berücksichtigt: das Thema Sicherheit. Die Türen bieten eine hohe Einbruchshemmung (Widerstandsklasse RC 2 nach DIN EN 1627:2011-09 möglich). Ein Thema, das vor allem für ältere Menschen sehr wichtig ist. Selbstverständlich sind die Nullschwellentüren nicht nur für Menschen mit Handicap eine Bereicherung; auch gesunde nutzen den Komfort eines schwellenlosen Zugangs gerne.


 

Anzeige

 

 

 

Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von Deutsches Ingenieurblatt abonnieren