20.05.2019 | Ausgabe 5/2019

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser, „Notre-Dame brennt.“ Schnell verbreitete sich die Nachricht am Abend des 15. April. Es war der erstaunte Ausruf eines Restaurantbesuchers, der unter den Anwesenden für Bewegung sorgte: Die meisten Gäste griffen reflexartig zu ihren Mobiltelefonen und waren nun mit dem Austausch von Informationen beschäftigt. Es sollte das bestimmende Thema des Abends und des Folgetags in der öffentlichen Wahrnehmung bleiben.

Zwei Dinge stachen bei dem Brand dieses historischen Monumentalbauwerks besonders hervor: die hohe Emotionalität, die es hervorrief, und das enorme Spendenvolumen, das bereits einen Tag nach dem Feuer auf 900 Millionen Euro für den Wiederaufbau angewachsen war. Rund um den Globus nahmen Menschen Anteil an dem Brand in einem Gebäude, das für Viele so eng mit Paris und Frankreich verbunden ist wie der Eiffelturm.

Wer schon da war, weiß: Dem Ort liegt ein Zauber inne und er atmet Geschichte, Bestand und Sicherheit. Nichts schien diesem Gebäude etwas anhaben zu können. Stand es doch schon seit hunderten von Jahren an diesem Ort, war  Schauplatz historischer Umbrüche und der Krönung von Napoléon I. zum Kaiser, wurde von Victor Hugo, seinem traurigen Glöckner Quasimodo und dessen Liebe zu Esmeralda ins kollektive Bewusstsein gerückt.

Unvorstellbar also, dass ein Feuer in der heutigen Zeit, in der wir über ausgefeilte  randschutzmaßnahmen, zahlreiche Frühwarnsysteme und technische Möglichkeiten zur Brandbekämpfung verfügen, seinen Schrecken und seine Macht nicht verloren hat. Und es kommt fast einer Ironie gleich, dass die Ursache vielleicht in den Renovierungsarbeiten zu finden ist, die dem in die Jahre gekommen Objekt wieder zu neuer Schönheit und Standfestigkeit verhelfen sollten. Zäh war es, so heißt es, die notwendigen Millionen zu den erforderlichen Sanierungsmaßnahmen zusammenzubekommen. Viele Jahre wurde gesammelt und gespendet – mal in größeren, häufig in kleineren Beträgen.

Erst im Angesicht des augenfällig drohenden Verlustes des Gebäudes, erst als der Mangel für alle Welt sichtbar war, wurden vielerorts die Kassen geöffnet. Und ohne mit der Wimper zu zucken, spendeten französische Milliardärsfamilien hunderte Millionen Euro binnen weniger Stunden. Die im Anschluss zum Teil polemisch geführte Diskussion um Spenden und ihre Höhe lenken ein wenig davon ab, dass der Erhalt eines identitätsstiftenden Gebäudes und seine Relevanz für eine Stadt und eine ganze Nation einen unschätzbaren Wert hat.

Bauwerke schaffen Verbundenheit, Wiedererkennung, Identifikation und Zugehörigkeit. Das fängt bei kleinen romantischen Brücken oder Brunnen an, es geht mit Schwebefähren, Schleusen, Planetarien, Häusern, Bürogebäuden oder Kirchen weiter. Sie wurden (und werden nach wie vor) häufig mit Liebe zum Detail sowie einer sorgfältigen Auswahl an Materialien geplant und gebaut; sie erhalten sich aber nicht von alleine: Es ist unsere Aufgabe, sie zu pflegen, Instand zu setzen, sorgfältig zu bewahren – für uns und für kommende Generationen.Das Feuer in Notre-Dame hat auch deutlich gemacht, dass es nicht erst bis  zum Äußersten kommen sollte, bevor man den Wert seiner gebauten Umwelt erkennt und diesen auch erhält. Es scheint nicht der Geldmangel zu sein, an dem es manchmal scheitert – es fängt mit der Bereitschaft an, etwas zu bewahren, bevor es unrettbar verloren geht.


 

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