18.03.2019 | Ausgabe 03/2019

Der Aufschwung gewinnt an Breite

Jahresumfrage zur wirtschaftlichen Lage der Ingenieure und Architekten

Die Ergebnisse der gemeinsamen Jahresumfrage 2017 zur „Wirtschaftlichen Lage der Ingenieure und Architekten“, vom AHO, der BIngK und dem VBI in Zusammenarbeit mit dem Institut für Freie Berufe (IFB) an der Universität Erlangen- Nürnberg liegen nun vor. / Quelle: metamorworks/AdobeStock

Der Boom auf den Immobilienmärkten hält an. Entsprechend erfreulich stellt sich die wirtschaftliche Lage für Ingenieure und Architekten dar. Die Auslastung der Planungsbüros ist gut, der mittlere Auftragsbestand lag nach jüngsten verfügbaren Daten im Jahr 2017 bei mehr als neun Monaten – und damit noch einmal leicht über demVorjahreswert. Auch mit Blick auf Umsätze und Gewinne war das Berichtsjahr 2017 unter dem Strich ein gutes für  die Branche. Das sind zusammengefasst die wichtigsten Ergebnisse der Jahresumfrage 2017 zur „Wirtschaftlichen Lage der Ingenieure und Architekten“, die der Ausschuss der Verbände und Kammern der Ingenieure und Architekten für die Honorarordnung e. V. (AHO), die Bundesingenieurkammer (BIngK) und der Verband Beratender Ingenieure (VBI) in Zusammenarbeit mit dem Institut für Freie Berufe (IFB) an der Universität Erlangen-Nürnberg ermittelt haben. An der Umfrage nahmen bundesweit rund 700 Architekten- und Ingenieurbüros teil.

Die Datenbasis für Jahresvergleiche und berufspolitische Rückschlüsse wird im Zeitablauf stetig breiter und damit aussagekräftiger. Zu berücksichtigen ist bei der aktuellen Jahresumfrage  indes, dass nahezu 80 Prozent der Fragebögen von Ingenieurbüros ausgefüllt wurden, lediglich jede fünfte Antwort stammt von Architekten.

Branchenstruktur:
Ingenieurbüros häufig größer  Zunächst haben sich die Studienautoren die Branchenstruktur näher angesehen. „Hinsichtlich der Rechtsform der Büros zeigt sich, dass insbesondere bei Architektenbüros der Anteil der Einzelunternehmen mit 64,9 Prozent deutlich überwiegt“, heißt es in der Umfrage.  Nicht ganz so hoch, aber doch dominant sind die Einzelunternehmen auch bei den Ingenieuren. Jedes zweite Ingenieurbüro ist als Einzelunternehmen organisiert, am zweithäufigsten finden sich Personengesellschaften mit einem Anteil von rund einem Drittel. Neben der Rechtsform prägt die Größe der Unternehmen als zweites herausragendes Merkmal die Struktur der Branche. Am häufigsten vertreten in der deutschen Planerlandschaft sind kleinere Büros mit zwei bis fünf Beschäftigten (29,4 Prozent). Es folgen inhabergeführte Einzelbüros mit einem Anteil von rund einem Viertel. Architekten- und Ingenieurbüros unterscheiden sich dabei kaum. Hier spiegelt  ich mit Blick auf die Rechtsform der hohe Anteil an Einzelunternehmen wider.

Mehr als 80 Prozent der Architektenbüros bleiben in einer Größenordnung von bis zu  zehn Mitarbeitern. Ingenieurbüros sind häufig größer: Rund ein Viertel der Ingenieurbüros beschäftigt zwischen 11 und 50 Mitarbeitern. Bei den Architekten fällt der Anteil mit 16,6 Prozent deutlich kleiner aus. Sehr große Unternehmen mit mehr als 100 Beschäftigten fanden sich in der Umfrage unter den Architektenbüros keine, der Anteil entsprechend großer Ingenieurbüros beträgt immerhin knapp fünf Prozent. Die tendenziell größeren Büros der Ingenieure schlagen sich auch in einer höheren Mitarbeiterzahl nieder: Während in Ingenieurbüros im Schnitt gut 21 Menschen arbeiten, beschäftigen Architektenbüros durchschnittlich acht Mitarbeiter.

Ingenieure gesucht
Bemerkenswerte Rückschlüsse auf die allgemeine Beschäftigungslage geben insbesondere die Umfrageergebnisse zur Schätzung des Personalbedarfs. So gaben fast 60 Prozent der Ingenieurbüros an, in Zukunft einen „eher größeren Bedarf“ an festangestellten Ingenieuren zu haben. Einen steigenden Bedarf an festangestellten technischen Mitarbeitern gaben mehr als 40 Prozent der befragten Unternehmen an. Ähnlich erfreulich sieht die Beschäftigungslage bei den Architektenbüros aus. 56,4 Prozent suchen künftig mehr festangestellte Architekten, zusätzliche technische  Mitarbeiter stehen ähnlich hoch im Kurs wie bei den Ingenieurbüros. Mit einem Personalabbau rechnet hier wie dort nur eine kleine Minderheit im einstelligen Prozentbereich.  Die Arbeitsmarktlage für Ingenieure, Architekten und technische Mitarbeiter stellt sich damit insgesamt als sehr gut dar. Aus Sicht der Büros gilt spiegelbildlich damit natürlich auch: Die Büros suchen dringend Ingenieure; gut ausgebildete Fachkräfte werden wie in anderen Branchen auch derzeit zunehmend rar. Auch für den Einsatz freier Mitarbeiter in den Planungsbüros haben sich die Wissenschaftler interessiert. Insgesamt gaben gut 40 Prozent  er Büros an, freie Mitarbeiter zu beschäftigen. Spiegelbildlich kommen fast sechs von zehn Büros gänzlich ohne die Unterstützung von freien Kollegen aus. Je größer die Büros, umso häufiger wird auf „Freie“ zurückgegriffen. Und: Ingenieurbüros setzen insgesamt häufiger auf freie Mitarbeiter, um Projekte zu bewältigen und Auftragsspitzen abzufangen.

Gehälter steigen
Das kommt auch in den Verdienstmöglichkeiten  zum Ausdruck. Die IFB-Forscher haben außerdem die aktuellen Gehälter abgefragt. Danach steigen angestellte Ingenieure im Schnitt mit knapp 40.000 Euro Jahresgehalt in ihren Beruf ein. Die Abweichungen vom statistischen Durchschnitt sind allerdings enorm. Die angegebenen Werte der Büros für Berufseinsteiger schwanken zwischen 24.000 und 84.000 Euro Jahresverdienst. Mit steigender Berufserfahrung wächst das Gehalt kontinuierlich. Ingenieure mit mehr als zehn Jahren Berufserfahrung verdienen im Schnitt rund 60.000 Euro im Jahr. Den Vergleichswert für erfahrene Architekten beziffern die Wissenschaftler mit 53.600 Euro, das mittlere Einstiegsgehalt liegt mit 36.000 Euro jährlich ebenfalls etwa zehn Prozent unter dem Gehaltsniveau für Ingenieure. Im Zeitablauf zeigt sich, dass die Gehälter für beide Berufsgruppen seit 2013 nahezu durchgängig gestiegen sind. Verdiente zum Beispiel ein Architekt mit drei bis zehn Jahren Berufserfahrung 2013 im Mittel noch  knapp 42.000 Euro im Jahr, sind es 2017 nahezu 45.000 Euro. Höhere Gehälter  bleiben für die Arbeitgeber freilich nicht ohne Einfluss auf die Kosten: Bei den Ingenieurbüros  stiegen die Kosten pro Stunde je Projektperson zwischen 2014 und 2017 um gut neun Prozent. Bei den Architekten sind die Kosten zwar absolut geringer – aber hier stiegen die Kosten für Projektmitarbeiter im Vergleichszeitraum um fast 19 Prozent. Aus der Studieergibt sich ferner eine Faustregel, die dem  Praktiker ohnehin geläufig ist: Je größer das Büro, umso mehr steigen auch die Kosten, wenn man sie auf Arbeitsstunden und Projektmitarbeiter herunterbricht.

Personalkosten überwiegen 
„Bei näherer Betrachtung der Kostenstruktur  zeigt sich“, so die Studienautoren weiter, „dass ein Großteil der anfallenden Kosten durch Gehaltszahlungen generiert wird.“ Anders ausgedrückt: Die Personalkosten sind der mit Abstand größte Kostenblock für die Büros. Gehälterfür Angestellte machen rund 40 Prozent  der Gesamtkosten eines Planungsbüros aus,ein weiteres Drittel muss gemeinhin für Gehaltszahlungen  an Geschäftsführer und Inhaber kalkuliert werden. Rund drei Viertel der Bürokosten lassen sich somit unter der Überschrift „Personalkosten“ zusammenfassen. Die Sachkosten nehmen sich hier im Vergleich dazu mit einem Anteil von rund einem Viertel relativ bescheiden aus. Insgesamt unterscheiden sich Ingenieur- und Architektenbüros  indes kaum hinsichtlich ihrer Kostenstrukturen – nur die Sachkosten und der Gemeinkostenfaktor für Projektpersonen fallen für Architekten in der Regel etwas geringer aus: Während Ingenieurbüros mit einem Gemeinkostenfaktor zur Verteilung ihrer Gemeinkosten auf einzelne Aufträge von durchschnittlich 2,77 kalkulieren müssen, kommen Architekten im Schnitt mit einem etwas geringeren Faktor von 2,35 aus. Auch hier gilt: Je größer das Unternehmen, umso höher fällt in der Tendenz  auch der Gemeinkostenfaktor aus.

Büroumsätze stabil 
Eine detaillierte Analyse der Büroumsätze erlaubt ebenfalls vertiefte Einblicke in die gegenwärtige wirtschaftliche Situation der Planungsbüros. Wie im Vorjahr erwirtschafteten die Beschäftigten im Mittel einen Jahresumsatz von 93.000 Euro pro Kopf für ihren Betrieb. Hierbei sind alle Mitarbeiter berücksichtigt, also etwa auch kaufmännische Beschäftigte. Zunächst fällt auf, dass der Pro- Kopf-Umsatz bei den Ingenieuren mit rund 98.000 Euro deutlich höher ausfällt als mit 75.000 Euro bei den Architekten. Die Büroumsätze pro Mitarbeiter sind ferner seit 2010 spürbar gestiegen, von damals 87.000 auf inzwischen 93.000 Euro. Betrachtet man allein die sogenannten Projektpersonen, das sind unmittelbar an der Projektarbeit beteiligte Inhaber, angestellte Ingenieure und Architekten sowie technische Mitarbeiter, fällt der Büroumsatz pro Kopf natürlich höher aus. Ingenieurbüros können der Studie zufolge mit 115.000 Umsatz für jede beteiligte Projektperson kalkulieren, bei Architektenbüros fällt auch hier der Vergleichswert mit weniger als 88.000 Euro wesentlich bescheidener aus. Schwankungen verzeichnet die Studie zwar auch bei dieser Rechengröße hinsichtlich der Bürogröße – ein eindeutiger Zusammenhang zwischen Pro-Kopf-Umsätzen und Betriebsgröße lässt sich aus den gewonnenen Daten indes nicht ableiten.

Honorarordnung spielteine wichtige Rolle
Von besonderer Relevanz für die Planungsbüros ist die Frage, nach welchen Modalitäten Leistungen für Kunden abgerechnet werden. Deshalb wurde auch abgefragt, welche Umsatzanteile innerhalb und außerhalb der Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI) erwirtschaftet wurden. Die HOAI ist schließlich das grundlegende gesetzliche Regelwerk für die Honorarforderungen. Jedes fünfte Büro gab an, keinerlei Leistungen außerhalb des Geltungsbereichs der HOAI abzurechnen.   Ein nicht zu unterschätzender Teil“, hält die Studie fest. „Hierbei sind allerdings  deutliche Unterschiede zwischen Ingenieurund Architektenbüros zu verzeichnen.“ Während  nur 16,3 Prozent der befragten Ingenieurbüros    ausschließlich innerhalb der HOAI abrechnet, bewegt sich fast ein Drittel der Architektenbüros ausschließlich im Rahmen der HOAI. Vier von zehn Architekten gaben an, bis zu einem Viertel ihrer Einnahmen ohne  Berücksichtigung der HOAI, also zum Beispiel auf Stundenbasis, zu fakturiere . Mehr als drei Viertel und damit einen sehr hohen Anteil ihrer Einnahmen jenseits der HOAI generieren nur knapp zehn Prozent der Architekten, bei den Ingenieuren sind es hingegen fast  0 Prozent. Ein weiterer Zusammenhang fällt auf: Je kleiner das Büro, umso mehr Honorare werden außerhalb der HOAI abgerechnet – bei Einzelunternehmen mehr als jeder zweite  uro, sowohl bei Ingenieuren als auch bei Architekten. Insgesamt lässt sich indes feststellen, dass Ingenieure deutlich mehr Aufträge (43 % der Honorareinnahmen) außerhalb der Honorarordnung abrechnen als Architekten (23 Prozent).

Großteil der Büros macht Gewinne
Abschließend haben sich Kammern und Verbände  intensiv mit der Gewinnsituation in der Branche beschäftigt. Die gute Nachricht: Ein Großteil der teilnehmenden Büros konnte 2017 wieder einen Überschuss erwirtschaften.Weniger als jedes fünfte Unternehmen  musste einen Verlust verkraften, bei nur zwei Prozent der Büros waren dies mehr als 25.000 Euro. Mehr als 200.000 Euro Gewinn machte jedes vierte Unternehmen der Branche,der größte Block mit rund 42 Prozent der Büros bewegt sich unterdessen in einer Größenordnung bis zu 100.000 Euro Jahresgewinn. Jenseits der 100.000-Euro-Marke finden sich – wie in den Jahren zuvor – wesentlich mehr Ingenieurbüros; nahezu jedes zweite Ingenieurbüro (44 Prozent) konnte 2017 mit  einem Jahresüberschuss von mehr als 100.000 Euro abschließen. Pro Projektperson erzielten die Büros damit im Schnitt einen Gewinn von 23.000 Euro.

Last but not least: Die Umsatzrendite stellt eine wesentliche Kennziffer für die Bewertung  des wirtschaftlichen Erfolgs dar. Für das Berichtsjahr zeichnet der AHO ein überwiegendpositives Bild. Das verdeutlichen die  nach wie vor stabilen Umsätze, auch wenn diese wegen der teilweise inhomogenen Struktur der beteiligten Planungsbüros unterschiedlichausfallen. So erzielten beispielsweise  Ingenieurbüros mittlerer Größenordnung mit 50 bis 100 Mitarbeitern eine durchschnittliche Umsatzrendite von 10,7 Prozent. Zwischen Architekten und Ingenieuren gibt es im Hinblick auf die Umsatzrendite keine nennenswerten Unterschiede. Auffällig aber auch hier: Je kleiner das Planungsbüro, umso höher die Rendite im Verhältnis zum Umsatz.

Jahr der Konsolidierung
Unter dem Strich darf man somit festhalten, dass 2017 ein zufriedenstellendes Jahr für die deutschen Ingenieur- und Architektenbüros  war. Umsätze, Gewinne und Renditen haben sich auf einem soliden Niveau stabilisiert. Die  uftragsbücher bleiben gut gefüllt, und die große Mehrzahl der Büros will mehr Personaleinstellen oder den Personalstand zumindest  stabil halten. Die Verdienstmöglichkeiten fürArchitekten und Ingenieure haben sich verbessert.  Dennoch sind sie im Vergleich zu anderen Ingenieursparten nur moderat gewachsen. Für die Zukunft ist es wichtig, dass Planungsbürosattraktive Arbeitgeber für Ingenieure  und Architekten bleiben – deshalb wird es nötig sein, höhere Gehälter einzuplanen.


 

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