14.09.2018 | Ausgabe 09/2018

Langfristig günstige Energie aus Solaranlagen

Subventionsfreier Strom für Industrieunternehmen

Die PV-Anlage in Osterode/Harz wurde im Oktober 2014 nach acht Wochen Bauzeit in Betrieb genommen und hat eine Nennleistung von 4.000 kWp. / Quelle:bejulo GmbH

Erneuerbare Energie ist gefragter denn je. Vor allem im Ausland steigen Größe und Nennleistung der Photovoltaikanlagen rasant an, während das Erneuerbare-Energien- Gesetz (EEG) in Deutschland den subventionsfähigen Ertrag pro Anlage für die meisten Flächentypen auf zehn Megawatt-Peak (Nennleistung) gedrosselt hält. Doch auch hier sind insbesondere mittlere bis große Industrieunternehmen aller Branchen auf der Suche nach zukunftsfähigen Lösungen, um ihren Energiebedarf auch langfristig wirtschaftlich zu decken – zumal die Entwicklung des EEG und der damit zusammenhängenden Subventionen in den kommenden Jahren nicht absehbar ist und, soviel ist sicher, zu massiven Veränderungen auf dem Energiemarkt führen wird.

Große Unternehmen beziehen ihren Strom derzeit noch von den „normalen“ Stromlieferanten mit Tarifen für Industrieunternehmen. Wird die Menge größer, kaufen die Unternehmen den Strom selbst ein oder benutzen einen Vermittler, der die Bedarfe von Großkunden bündelt.

Wie viele andere Firmen legen auch die energieintensiven Unternehmen der Industrie bei der Wahl eines Stromanbieters oder einer Stromquelle vor allem Wert auf einen günstigen und stabilen Preis, eine hohe Verfügbarkeit und – mit steigender Tendenz – auf Nachhaltigkeit. „Green Energy“ ist gefragter denn je, auch um unternehmenseigene Nachhaltigkeitsversprechen zu halten und eine bessere Reputation bei ihren Kunden zu erlangen. In diesem Zusammenhang ist auch eine Eigenstromversorgung und damit die Unabhängigkeit von großen Stromanbietern, vom EEG und den Einspeisevergütungen in Zukunft gerade für große, energieintensive Unternehmen eine Überlegung wert.

Vorreiter der Branche entkoppeln mittlerweile die Solarenergie von den Einspeisevergütungen. Immer  euere Geschäftsmodelle zur Stromerzeugung, -nutzung und -vermarktung von Photovoltaikanlagen etablieren sich, die sich auch ohne EEG-Subventionen rechnen. Vor allem für Unternehmen aus der Industrie, die einen hohen Stromverbrauch aufweisen, sind individuelle, langfristig rentable Lösungen interessant. Tragfähige Konzepte für leistungsstarke, subventionsfreie Anlagen, die unabhängig vom EEG nachhaltig günstigen Strom produzieren – und damit einen über Jahrzehnte festen Strompreis garantieren – sind keine Zukunftsmusik mehr, sondern werden gerade großen Unternehmen eine Sicherheit im sehr volatilen Marktumfeld der Energiebeschaffung geben.

Anlagen für Kommunen und Industrie rechnen sich

Die Solaranlage in
Werneuchen bei Berlin
während der nur viermonatigen
Bauphase: Seit
Juni 2017 produziert die Anlage Strom, der
2.000 Vier-Personen-Haushalte vollständig versorgen könnte.
Quelle: / bejulo GmbH/ Stefan Wegener Autorenbilder: bejulo GmbH/Alexander Sell

Eines der Unternehmen, die Photovoltaik-Projekte dieser Art realisieren, ist beispielsweise die bejulo GmbH, die national und international wirtschaftliche Solarprojekte umsetzt. Die mittleren und großen Freiflächen-Solaranlagen, die für unterschiedliche Märkte und Marktmodelle konzipiert und auf die jeweiligen Bedingungen vor Ort zugeschnitten sind, stehen unter anderem in Deutschland, Holland, Südafrika, England und im Iran. Im vergangenen Jahr wurde in Werneuchen bei Berlin eine Zehn-Megawatt- Anlage auf einer 16 Hektar großen ehemaligen Ackerfläche errichtet, deren Stromertrag ausreicht, um 2.000 Vier-Personen-Haushalte versorgen zu können. Zudem werden etwa 5.000 Tonnen Kohlendioxid gegenüber dem derzeit üblichen deutschen Strom-Mix eingespart. Anlagen dieser Art lassen sich nicht nur für Kommunen realisieren, sondern rechnen sich auch für mittlere und große Industrieunternehmen, die Wert auf eine langfristige Planungssicherheit und Eigenstromversorgung legen. Mit Gestehungskosten deutlich unter fünf Cen  pro Kilowattstunde kann die Nutzung von Solarenergie für Unternehmen finanziell deutlich attraktiver sein als der Bezug von Netzstrom.

In Deutschland sollte daher die Entwicklung subventionsfreier PV-Anlagen in den kommenden Jahren bewusst vorangetrieben werden. Viele Stromabnehmer sehen bereits den Umbruch im Energiemarkt. Führende deutsche Unternehmen, auch aus der Industrie, kaufen derzeit „grünen“ Strom im Ausland ein, und auch lokale Stadtwerke kaufen nach und nach ihre Netze zurück, so die Erfahrung von Fachleuten. Gerade große Unternehmen aus Branchen mit hohem Stromverbrauch – wie die Stahl-, Chemie-, Papier- und Glasindustrie – und große Stadtwerke sind gut beraten, bereits heute ihre Stromversorgung nachhaltig auf eigene Füße zu stellen und zukunftsfähig zu gestalten.

Politische und rechtliche Entwicklungen sind schwer abzuschätzen

Wenn die äußeren Rahmenbedingungen und Zuarbeiten passen, beginnen manche Anlagen in Deutschland bei einer Größe von 1,5 Hektar, das entspricht einem Ertrag von etwa einem Megawatt (MW). Anlagen, die größer als 10 MW sind, sind in Deutschland innerhalb des EEG nur in Sonderfällen möglich. Welche Entwicklungen es seitens der rechtlichen und politischen Rahmenbedingungen in diesem Bereich noch geben wird, ist bislang schwer abzusehen – umso wichtiger sind unabhängige Konzepte, die den Unternehmen einen günstigen Strompreis langfristig garantieren und auch für private und institutionelle Anleger interessant sind. Denn gerade im Bereich der erneuerbaren Energien ändern sich die Rahmenbedingungen schnell und beeinflussen sowohl die 

Handlungen der Energieunternehmen als auch der Industrie stark. Es ist jedoch als sicher anzusehen, dass der Strompreis in Deutschland steigen wird – mit eigenen, unabhängigen Anlagen sichern sich die Betreiber (Unternehmen, Kommunen, Stadtwerke) einen stabilen, fest kalkulierbaren Strompreis für die nächsten Jahrzehnte.

Bei der Errichtung EEG-unabhängiger Anlagen hat es sich in der Vergangenheit als zielführend erwiesen, mit vorausschauend planenden Generalunternehmern während der gesamten Projektkette zusammenzuarbeiten, die über ein Netzwerk aus Lieferanten, Banken, Anlegern sowie Projektentwicklern verfügen. Gemeinsam mit dem Auftraggeber und den Projektpartnern sollte sich das beauftragte Generalunternehmen gründlich mit Themen wie Genehmigungsverfahren, Projektfinanzierung, Verträgen, Anlagendesign, Einkauf, Technik und Umweltauflagen auseinandersetzen und den Unternehmen, die sich für eine Energielösung interessieren, von Beginn an zur Seite stehen. So ist der eigentliche Bau einer PV-Anlage zwar das Hauptziel, die komplette Begleitung eines Projekts von der Planung bis zum Abschluss und schlussendlich auch der technische Betrieb der Anlage sind jedoch wichtiger Bestandteil eines jeden Projekts. Basierend auf der individuellen Planung müssen die Besonderheiten der einzelnen Unternehmen berücksichtigt werden.

Anlagen-Bau in drei Stufen

Welche Anlagengröße sich für welche Unternehmensgröße eignet, lässt sich pauschal nicht beantworten. Dies ist je nach Energiebedarf und nach den gestellten Anforderungen für jedes Unternehmen unterschiedlich und wird in der Planungsphase individuell ermittelt. Grundsätzlich lässt sich der Bau einer solchen Anlage in drei Stufen realisieren: Die erste Stufe ist die reine Photovoltaik-Anlage, deren Nennleistung deutlich unter dem Energiebedarf eines Werks oder Unternehmens liegt. Damit ist die Voraussetzung geschaffen, dass der mit den PV-Modulen erzeugte Strom auch sicher verbraucht werden kann. Wird zu Spitzenzeiten mehr Strom verbraucht als im Durchschnitt, stammt dieser dann aus herkömmlichen Stromquellen. Im zweiten Schritt kann man einen Batteriespeicher integrieren, mit dessen Hilfe nicht verbrauchte Energie zwischengespeichert und in Zeiten geringerer Sonneneinstrahlung zur Verfügung gestellt wird. Dies ist jedoch stets eine Frage der Wirtschaftlichkeit, die sich im Einzelfall aus den Stromlastprofilen  nd den entsprechenden Einkaufskonditionen der Unternehmen ergibt. In einer dritten Stufe kann das Unternehmen natürlich noch über die Vermarktung des überschüssig produzierten Stroms nachdenken.


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