14.09.2018 | Ausgabe 09/2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

„Alexa, schalte das Licht im Esszimmer an.“ „Alexa, spiel meine Lieblingssongs.“„Alexa, ruf Mutter an.“ Alexa schaltet, spielt und wählt. Bei Bekannten ist der Haushaltpraktisch vernetzt und durchtechnologisiert. Auf den Gängen und in den Zimmerngeht das Licht an, wenn man sie betritt; bewegt man sich längere Zeit nicht,dimmen die Lampen herunter und gehen irgendwann aus. Selbst aus der Ferneüberwacht der Hausherr jeden Winkel im Gebäude und erstellt Bewegungsprofilederjenigen, die nach der Post sehen oder die Blumen gießen. Von Berufswegen miteiner hohen Architektur- und Technologieaffinität ausgestattet, haben die Immobilienbesitzerbereits in der Bauplanung alles berücksichtigt, was der Markt an bezahlbarerHaustechnik hergibt. Da wird automatisch verschattet, gelüftet, geheiztund gekühlt, geregelt und überwacht. Und Alexa ist nur ein Gimmick, der zumindestdas lästige (Aus-)Wählen von Telefonnummern oder Radiosendern überflüssigmacht.

Für Besucher aus der analogen Welt ist der Aufenthalt in dem Komforthaus manchmal mit leichter Irritation verbunden. Bevor man realisiert, dass es ein wenig kühl wird, hat das Haus schon entsprechend reagiert und die Raumtemperatur reguliert.

Ich gebe zu, mein Verhältnis zu der hier beschriebenen Art zu wohnen (die ja nur einen Bruchteil des umfangreichen und hochkomplexen Fachgebiets der Hausund Gebäudetechnik ausmacht) ist ambivalent. Einerseits faszinieren mich die Möglichkeiten, die sich uns heute bieten. Es stecken unendlich viele Chancen im Zusammenspiel zwischen Gebäuden und Technik und im Hinblick auf Energieeinsparungen und Ressourcen-Schonung. Ein Bauwerk, das seinen Strom- und Wärmeverbrauch bestmöglich selbst regelt, unterstützt damit nicht nur die Geldbörse und die Lebensqualität seiner Nutzer, sondern hilft auch dabei, unnötiger Energie- Vergeudung vorzubeugen. Das Wort „Teilhabe“ spielt ebenfalls eine große Rolle. Ausgeklügelte Technik ermöglicht es beispielsweise Menschen, die körperlich, geis ig oder altersbedingt gewissen Einschränkungen unterliegen, sich eigenständig zu versorgen und ein selbstbestimmteres Leben zu führen, als es noch vor ein paar Jahren der Fall war.

Andererseits stellen sich für mich auch die Fragen nach Sicherheitslücken, noch nicht abschließend erforschten Begleiterscheinungen und neu antrainierten Verhaltensweisen, die sehr stark auf ein „bequemes“ Leben fokussieren und das Individuum weniger fordern.

Und ist es wirklich sinnvoll, unsere Wohnungen mit Klein- und Kleinstelektronik- Bauteilen zu überladen, von denen wir nicht wissen, wie lange sie funktionieren, wie anfällig sie sind, welche Updates notwendig sein werden oder ob sie nach überschaubarer Lebensdauer als großer, aufwändig produzierter (und ebenso aufwändig zu recycelnder) Haufen Elektronik-Schrott übrig bleiben? Letztlich bleibt es ein spannendes Thema mit grenzenlosem Entwicklungspotenzial. Der Weg, den die TA-Ingenieure und Architekten seit neuestem beschreiten, indem sie bereits in der frühen Planungsphase ge einsam an einem Tisch sitzen, ist gut, um bestmögliche Lösungen im Gebäudebereich hervorzubringen. 


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