17.03.2021 | Ausgabe 3/2021

Hoch hinaus in der Frankfurter Innenstadt

BIM als zentraler Informations-Hub

Neuer Turm für die Helaba. Die Projektpartner nutzen für die Arbeit am Modell die offene Plattform von Catenda aus Norwegen. Bild: Illustration: KSP Engel GmbH

Mit einer ganzheitlichen BIM-Planung können hohe Erwartungen der Bauherren an Planungen erfüllt werden. Building Information Modeling ist Planungsstandard der Zukunft und vereint Entwurf, Planung und Baumanagement auf allen Ebenen.

In der Innenstadt von Frankfurt/Main entsteht derzeit für die Helaba nach Entwürfen von KSP Engel ein Hochhaus mit rund 72.500 m² Mietfläche und 51 Etagen. Zur interaktiven Arbeit am Modell nutzen die Projektpartner die offene Plattform Bimsync Arena von Catenda aus Norwegen.
In fünf bundesdeutschen und zwei internationalen Niederlassungen (Peking und Shenzhen) verantworten die Planenden von KSP Engel neben klassischer Architektur sämtliche baubegleitenden Dienstleistungen – von der Generalplanertätigkeit über das Baumanagement bis hin zu Innenarchitektur und dem Produktdesign. Zu dem mehr als 200 Meter hohen Turm zählt auch ein historischer unter Denkmalschutz stehender Bestand. Dazu kommen vier bis fünf Untergeschosse, die sich in der aktiven Phase der Planung befinden.

Rund 100 Modelle befinden sich aktuell auf der Bimsync-Plattform. Da viele Geschosse erst in der Phase der Ausführungsplanung mit all ihren Details hinzukommen, geht der das Projekt betreuende BIM-Experte Benjamin Agyemang davon aus, dass sich die Anzahl der Modelle im Projektverlauf noch um ein Vielfaches steigern wird.

IFC-Modelle via Browser sichten
und beurteilen

„Ein großer Vorteil von BIMsync Arena zeigt sich bereits in dieser frühen Phase“, erklärt Agyemang. „Endlich besteht die Möglichkeit, sämtliche am Projekt beteiligte Parteien aktiv in das BIM-Geschehen einzubinden. Denn die Modelle, die sich allesamt im IFC-Format auf der Plattform befinden, können ganz einfach via Webbrowser online betrachtet werden. Dafür wird keine zusätzliche Software benötigt.“

Wirklich jeder hat dank der Plattform die Chance, sich die für seine Belange relevanten Modelle anzuschauen. Vom Vermesser über den Bauherren, den Generalunternehmer und die ausführenden Bauunternehmen bis hin zu sämtlichen fachplanerischen Disziplinen: Sei es der Tragwerksplaner, TGA- und Elektro-Ingenieure, der Landschaftsarchitekt, der Photovoltaik-, Küchen- oder der Aufzugsplaner. Dabei muss sich auch nicht jeder Fachmann durch sämtliche Modelle durcharbeiten. Diejenigen speziellen Perspektiven oder BIM-Modelle, die für seine Aufgaben von Relevanz sind, können ganz einfach per Mausklick mit einem Bookmark versehen werden und werden so auf einfache Weise wiedergefunden.

„Es dauert nur rund eine Stunde, bis die Projektbeteiligten mit den Basis-Features der IT-Lösung vertraut und in der Lage sind, sich Modelle selbständig online anzuschauen“, erklärt Agyemang. Die BIM-Modelle können sogar direkt von den Baustellen aus via Smartphone gesichtet werden. „Dabei können so viele Schnitte wie nötig erzeugt werden. Und die Projektpartner können diese auf einfache Weise drehen und wenden, bis sie die für ihre Belange ideale Perspektive haben“, fügt er hinzu.

Alle generierten Modelle sind von den am Projekt Beteiligten am Browser zu betrachten.
Alle generierten Modelle sind von den am Projekt Beteiligten am Browser zu betrachten.
Bild: Illustration: KSP Engel GmbH

Keine zusätzliche Autorensoftware erforderlich
Einer der großen Vorteile besteht darin, dass die Modelle dank der Bimsync-Plattform nun nicht mehr heruntergeladen werden müssen. Denn von niemandem kann ernsthaft erwartet werden, sich alle paar Wochen bis zu 100 separate Modelle aus einer Cloud herunterzuladen und anschließend in einer Software zusammenzufügen. Für Bauherren und alle weiteren Beteiligten, die selbst nicht in 3D modellieren, offeriert Catenda mit Bimsync Arena erstmals ein Werkzeug, das ihnen die Möglichkeit verschafft, sich diese Modelle mit all ihren Details anzuschauen. Und das, ohne eine spezielle Software zu besitzen oder bedienen zu können.

Vereinfachte Kommunikation am Modell mit dem BCF-Format
Das BCF-Format (BIM Collaboration Format) gilt ebenso wie IFC als etabliertes, offenes Format für die Kommunikation der Partner am Modell. In der Praxis, insbesondere bei solchen Großprojekten, ist diese allerdings nicht immer so einfach zu bewerkstelligen. „Im aktuellen Bauvorhaben in Frankfurt am Main gibt es derzeit konkret 1.200 Issues, die von teilweise mehreren Partnern zu bearbeiten sind“, erklärt Agyemang. „Diese Issues beinhalten Konfliktstellen im Modell oder andere Nachbesserungen oder Anpassungen, die unsere Partner vorzunehmen haben. Bei 100 solcher Issues sind bei größeren Baumaßnahmen gewöhnlich rund 40 von der TGA- oder Elektroplanung zu bearbeiten. 20 betreffen die Gesamtplanung und etwa zehn Stück sind vom Statiker zu untersuchen und entsprechend anzupassen. Viele dieser Issues betreffen dabei mehrere Projektbeteiligte gleichzeitig und nicht nur einen. Das bedeutet, auch sie müssen sich untereinander abstimmen. Läuft dieser komplexe Abstimmungsprozess lediglich via E-Mail ab, stehe ich als Gesamtkoordinator am Ende oft vor dem Problem, dass ich eine Vielzahl einzelner Dateien zurückbekomme, die ich so nicht mehr optimal miteinander in Verbindung bringen kann. Und ich weiß dabei oft auch nicht, welche Aufgaben tatsächlich erledigt sind und welche noch ausstehen“, führt er weiter aus.

Issues direkt auf der Bimsync-Plattform bearbeiten
BCF-Dateien und Issues hin und her zu schicken, kann für die Projektbeteiligten einen sehr hohen Aufwand bedeuten. Bei Bimsync Arena entfällt dieser Versand, denn die Issues sind allesamt als BCF-Dateien auf der Plattform in der Cloud für alle zugänglich. Das bedeutet, dass alle Projektbeteiligten den gleichen Stand einsehen können und – vielleicht der größte Vorteil – dass jede Aufgabe nur einmal vorhanden ist.

Auf diese Weise entsteht zwischen den IFC-Teilmodellen und der zentralen BCF-Verwaltung eine „Unique Source of Truth“. Reicht ein einfacher Screenshot nicht aus, um ein Issue korrekt beurteilen zu können, besteht die Möglichkeit, direkt in das betreffende Modell zu zoomen und die problembehaftete Position von mehreren Seiten eingehend zu betrachten und zu prüfen.

„Ich bin überzeugt, dass wir mit dem offenen Common Data Environment in der Lage sind, mittel- bis langfristig sehr viel effizienter und wirtschaftlicher mit der Hilfe von BIM-Modellen zu planen und zu bauen, denn es erfüllt unseren hohen Standard an Transparenz, die für die erfolgreiche Realisierung unserer Projekte in dieser Dimension elementar ist“, so Benjamin Agyemang abschließend.


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