17.03.2020 | Ausgabe 03/2020

Editorial

Chefredakteurin Susanne Scherf

Chefredakteurin Susanne Scherf

Liebe Leserinnen und Leser,
was macht einen Fachmann aus? Ist es die fundierte und anspruchsvolle Ausbildung? Ist es die Berufserfahrung? Trägt auch die persönliche Einstellung und Integrität dazu bei? Indem man sich auf einem Gebiet eine solide Kenntnis erworben hat, um nach bestem Wissen und Gewissen und auf Grundlage aller Erfahrungswerte Entscheidungen zu treffen, die Fehler und Mängel zumindest auf ein Minimum reduzieren?
Menschen machen Fehler und sie treffen auch mal schlechte Entscheidungen. Das liegt in unserer Natur und niemand ist davon ausgenommen – auch wenn manche das für sich nicht wahrhaben wollen.
Bei einigen Berufsgruppen – und da stehen Mediziner und Ingenieure ganz besonders im Fokus – können Fehler mitunter katastrophale Auswirkungen haben. Eine kleine Ungenauigkeit, eine kritische Entscheidung und schon können die Konsequenzen unvorstellbare Dimensionen annehmen.
Eine anspruchsvolle und qualitativ hochwertige Ausbildung ist daher ein Gut, auf das jeder grundsätzlich einen Anspruch hat. Junge Menschen, die sich für eine Ausbildung oder ein Studium entscheiden, vertrauen darauf, dass sie das richtige Werkzeug an die Hand bekommen, um ihren Beruf ausüben zu können. Da bislang noch kein Meister vom Himmel gefallen ist, gehen die meisten außerdem davon aus, dass sie erst nach einigen Jahren Praxiserfahrung über Kompetenzen verfügen, die sie zu Recht zu einem Fachmann auf ihrem Gebiet machen.
Das gilt ausnahmslos für jeden Beruf. Mögen bei dem einen oder anderen die Konsequenzen nicht ganz so dramatisch sein, bleibt es ein Fakt, dass Fehler vermeidbar wären, wenn man auf den Rat von Menschen hört, die sich mit etwas auskennen. Weil sie jeden Tag mit dem Thema befasst sind. Und auch mit allen Begleiterscheinungen ihres Berufsbildes vertraut sind.
Es ist heute unverzichtbar zu erkennen, wo die eigenen Grenzen liegen. Alles wird in einer enormen Geschwindigkeit komplexer, komplizierter, umfangreicher. Das betrifft jeden Beruf.
Es ist ebenso wichtig, selbstbewusst zu den eigenen Kompetenzen zu stehen– wie auch die der anderen anzuerkennen. In einer Gesellschaft, die auch dem Schein und der Pose mehr Beachtung schenkt, als gesund ist, ist es ein Qualitätsmerkmal, wenn man ein ernstzunehmender, kompetenter und zuverlässiger Ansprechpartner ist.
Damit steht man vielleicht nicht immer in der ersten Reihe, aber es ist ein solides und langlebiges Fundament, auf das man gut (auf-)bauen kann.

Susanne Scherf


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