19.08.2019 | Ausgabe 7-8/2019

Ingenieurtalente im Technikmuseum gefeiert

Bundesweiter Schülerwettbewerb „Junior.ING“

Alle Siegerteams der einzelnen Bundesländer waren nach Berlin zur Verleihfeier des Bundeswettbewerbs angereist. / Quelle: Christian Vagt/BIngK

Gespannte Aufregung erfüllte den Raum im Berliner Technikmuseum, der im Juni erneut Austragungsort der diesjährigen Verleihfeier des Schülerwettbewerbs „Junior.ING“ war.

Im hinteren Teil des Saals waren alle Modelle ausgestellt und bereits eine Stunde vor Beginn der Veranstaltung wurden die Achterbahnen von den Gästen noch einmal gründlich in Augenschein genommen und auf ihre Funktionsfähigkeit getestet. Eltern, Großeltern und Lehrer hatten die Nachwuchsingenieure nach Berlin begleitet und bewunderten die kreativen Leistungen der Teilnehmerteams.

Ausgelobt von 15 Länderingenieurkammern sowie der Bundesingenieurkammer und unter der Schirmherrschaft des Bundesministeriums  des Innern, für Bau und Heimat begeistert der Wettbewerb seit vielen Jahren Schüler, Lehrkräfte und die Öffentlichkeit. Ziel eines der größten Schülerwettbewerbe Deutschlands ist es, auf spielerische Art und Weise für Naturwissenschaft und Technik zu werben. Die Themen wechseln jährlich und zeigen so die Vielseitigkeit des Bauingenieurberufs. Auf diesem Weg werben die Kammern für den Ingenieurberuf, um damit langfristig dem Fachkräftemangel in den technischen Berufen entgegenzuwirken. Mit Erfolg, denn wenn man sich bei den Anwesenden nach ihrem Studien- und Berufswunsch erkundigte, lautete die Antwort häufig: Ingenieurwissenschaften.

Ein Vorgeschmack auf das Ingenieurstudium: Prof. Dr.-Ing. Jochen Menkenhagen von der Universität Duisburg-Essen hielt eine kurzweilige Schnuppervorlesung. / Quelle: Christian Vagt/BIngK

Begeisterung für einen faszinierenden Beruf  Begrüßt wurden die Schüler und ihre Begleiter auch dieses Mal vom Vizepräsidenten der Bundesingenieurkammer, Ingolf Kluge. „Die Aufgabenstellung war dieses Mal eine besondere Herausforderung, die die Teams hervorragend gemeistert haben“, lobte Kluge die Modelle. „Wenn ich mir die Ergebnisse anschaue, freue ich mich auf die zukünftigen Ingenieurgenerationen. Ich hoffe, dass wir mit diesem Wettbewerb wieder viele Schülerinnen und Schüler für unseren faszinierenden Beruf begeistern konnten.“ Er unterstrich, dass die Symbiose mit dem Deutschen  echnikmuseum für die Verleihfeier naheliegend sei: „Die hier ausgestellten Modelle spiegeln den Genius des Ingenieurwesens und der Technik gut wider.“

Und auch Ministerialdirektorin Christine Hammann vom Bundesministerium des  Innern, für Bau und Heimat (BMI) würdigte die Bedeutung des Nachwuchspreises: „Der Schülerwettbewerb ‚Junior.ING‘ gibt der jungen Generation die Möglichkeit zu zeigen, was in ihr steckt. Es ist beeindruckend zu sehen, wie kreativ und engagiert die  chülerinnen und Schüler ihre Ideen auch in diesem Jahr ausgearbeitet haben. Das BMI  unterstützt den Schülerwettbewerb ‚Junior. ING‘ sehr gern, denn es ist ein tolles Projekt zur Berufsorientierung und somit zur Förderung des Ingenieurnachwuchses in Deutschland.“

Familien und Lehrkräfte hatten die Schüler nach Berlin ins Technikmuseum begleitet. / Quelel: Christian Vagt/BIngK

Überraschende Verlaufselemente und effiziente Konstruktionen
Es musste viel berücksichtigt werden, um die  Aufgabenstellung meistern zu können. Planungsaufgabe war der Entwurf einer Achterbahn und der Bau als Modell. Die Achterbahn sollte aus Fahrbahn und Tragkonstruktion bestehen, ihre Gestaltung war frei wählbar. Start- und Endpunkt der Fahrbahn mussten nicht identisch sein. Die Achterbahn durfte eine Grundfläche von 30 x 60 cm sowie eine Höhe von 40 cm nicht überschreiten. Neben der Statik und der Gestaltung musste die Bahn auch die dynamische Bewegung der Kugel aushalten – das war eine besondere Herausforderung. Zugelassen waren Einzel- und  Gruppenarbeiten von Schülern allgemeinund berufsbildender Schulen.

Es durften nur „einfachste“ Materialien verwendet werden und die Baumaterialien mussten ohne Einsatz von Industriemaschinen bearbeitbar sein.

Ausgewählt wurden die Preisträger von einer siebenköpfigen Jury unter dem Vorsitz von Prof. Dr.-Ing. Hans Georg Reinke. Die beiden ersten Plätze waren mit jeweils 500 € dotiert.  Die nachfolgenden Plätze 2 bis 5 konnten sich über 400 €, 300 €, 200€ und 100 € freuen.

Der Sonderpreis der Deutschen Bahn war mit 300 € dotiert. 

Den 1. Platz in der Alterskategorie I (bis Klasse 8) belegten Timm Sauter und Elias Sauter aus Baden-Württemberg mit ihrer Achterbahn „6 on the beach“.

Bei dem gestalterisch einem Longdrink- Glas und daneben liegenden Cocktailschirmen nachempfundenen Tragwerksentwurf  der Achterbahn wurde ein filigranes räumlich stabiles Fachwerk gewählt, das die eigentliche Achterbahn trägt. „Die Proportionen der Konstruktionselemente sind konstruktiv zutreffend. Der Entwurf kann resourcensparend nach den Prinzipien des Leichtbaus ausgeführt werden. Die Funktionsprüfung der Achterbahnmit Looping und überraschenden Verlaufselementen  verlief einwandfrei positiv“, urteilte die Jury.

Ebenfalls aus Baden-Württemberg kamen die Preisträgerinnen des Sonderpreises der Deutschen Bahn, Sarah Hermle und Oana Marc mit ihrem Modell „Anthea“. / Quelle: Christian Vagt/BIngK

Über den 1. Platz in der Alterskategorie II (ab Klasse 9) freuten sich Julian Schwaiger und Nils Reiss aus dem Saarland. Ihr Modell  trägt den Namen „golden snitch“ und ist von  dem Quidditch-Spiel in den Harry-Potter-Romanen inspiriert. „Die Achterbahn ist perfekt integriert in sich kreuzende Fachwerkbögen, die dem Tragwerk eine sehr gute räumliche Stabilität verleihen“, schrieb die Jury in ihrer Beurteilung. „Die schlanken Einzeltragelemente sind ausgezeichnet proportioniert und versprechen eine materialsparende effiziente Konstruktion. Die Materialwahl Messing ist ebenfalls sinnvoll und hochwertig für die schlanken Tragelemente. Das Streckenlayout der Achterbahn ist einfallsreich gewählt und weist einen überraschenden Überschneidungspunkt in der Mitte auf. Bei der Funktionsprüfung der Achterbahn war es spannend zu erleben, wie die Kugel geschwindigkeitsangepasst die Bahn durchläuft.“

Mit zwei filigranen Dachstrukturen, die wie Blätter anmuten, überzeugte auch das Modell „Anthea“ in Holzbauweise. Dafür erhielten Sarah Hermle und Oana Marc aus Baden-Württemberg den Sonderpreis der Deutschen Bahn  für ein besonders gutes Mädchenteam. Die Ingenieurin Ellen Petersson von der Deutschen Bahn AG lobte die Leistung der Mädchen und erklärte: „Mit dem DB-Sonderpreis möchten wir junge Mädchen dazu animieren, ihre Kreativität und Technikbegeisterung zu behalten und diese auch bei der Berufswahl, vorzugsweise bei der Deutschen Bahn zu berücksichtigen.“ Petersson betonte in ihrer Ansprache an die teilnehmenden Schülerinnen und Schüler: „Ihr seid alle bereits Preisträger.“ Denn nach Berlin zur Verleihfeier des Bundeswettbewerbs durften nur die Siegerteams der einzelnen Bundesländer reisen. Die Vertreterin der Deutschen Bahn erklärte außerdem, warum die Bahn sich insbesondere bei einem Preis für den Ingenieurnachwuchs stark macht. Es sei vielen nicht bewusst, dass die Bahn mit 10.000 Ingenieuren eines der  rößten Ingenieurbüros in Deutschland ist. Und der Bedarf an qualifiziertem Nachwuchs steige konstant. Für die Zukunft werden also viele gut ausgebildete Ingenieure gesucht.

Das Modell „Anthea“ im Detail. / Quelle: Susanne Scherf

Dass der Ingenieurberuf mittlerweile auch eine hohe Anziehungskraft auf Mädchen hat,zeigt sich bereits bei den Teilnehmerzahlen es Schülerwettbewerbs: Der Anteil der teilnehmenden Schülerinnen am Wettbewerb „Junior.ING“ stieg auch in diesem Jahr an und lag bei beachtlichen 38,3 Prozent.

Die Bahn hat daher beschlossen, den Preiskünftig zu öffnen und in Zukunft das Modell zu  prämieren, das die höchste kreative Leistung zeigt.

Die drei bestplatzierten Modelle jeder Alterskategorie werden erstmals im Deutschen  Technikmuseum ausgestellt. Zu sehen sind sie in der Zeit vom 18. Juni bis 18. Dezember 2019.

Weitere Informationen zum Schülerwettbewerb und der Bundespreisverleihung finden Sie unter www.bingk.de oder  www.junioring.ingenieure.de.

 

 


Anzeige

Arbeitshilfen für nachhaltige Baustoffe

Handbuch Ersatzbaustoffe

Das Handbuch Ersatzbaustoffe ist unverzichtbar für nachhaltiges Bauen. Mittlerweile in der 5. Auflage verfügbar, erläutert das kostenlose Standardwerk die ökologischen und bautechnischen Hintergründe für den Einsatz von Ersatzbaustoffen. > mehr

remexit®-App für Recyclingbaustoffe

Für die ökologisch und bautechnisch korrekte Anwendung von Recyclingbaustoffen wurde die remexit®- App entwickelt. Der mobile Einsatzprüfer ermöglicht die schnelle Überprüfung von Erd- und Straßenbauprojekten inklusive der Prüfung des Wasserschutzgebiet-Status der Baustelle. > mehr

granova®-App für Hausmüllverbrennungsasche

Die granova®-App dient der Überprüfung des Einsatzes von Baustoffen aus Hausmüllverbrennungsasche. Der integrierte Kartenviewer stellt die bundesweiten Wasserschutzgebiete dar – eine grundlegende Information für den Einsatz von Ersatzbaustoffen. > mehr

Newsletter
Ja, ich möchte den Newsletter von Deutsches Ingenieurblatt (monatlich / kostenlos) abonnieren