16.12.2019 | Ausgabe 12/2019

Editorial

Susanne Scherf

Susanne Scherf

Liebe Leserinnen und Leser,
das kalendarische Jahresende ist absehbar. Traditionell werden wir nun verstärkt daran erinnert, dass es Lebewesen gibt, die unsere Unterstützung benötigen.
Auch wir haben in dieser und den vergangenen Ausgaben in einigen Beiträgen den Fokus auf Organisationen gelegt, die sich zur Aufgabe gemacht haben, die Lebensqualität von Menschen in anderen Ländern zu verbessern. Und wir haben dabei auch diejenigen zu Wort kommen lassen, die ihre Kompetenz, ihre Zeit und ihre Kraft in Projekte investieren, die anderen Menschen weiterhelfen.
Der Wunsch, für die Gemeinschaft etwas zu schaffen, anderen etwas zu geben oder – wie es häufig platt umschrieben wird – Gutes zu tun, ist bei jedem Menschen unterschiedlich stark ausgeprägt. Und er kommt in den mannigfachsten Ausprägungen daher: Da sind beispielsweise die zupackenden Hände, die in Entwicklungsländern Häuser, Schulen und Zisternen bauen. Oder die großzügigen Spender, die lieber Geld geben. Da sind auch pfiffige Erfinder, die mit kreativem Forschungsgeist nach pragmatischen Lösungen für sauberes Wasser und Hygiene suchen. Das alles ist lobens- und bewundernswert und verdient Dank und Respekt.
Es gibt eine weitere Form des Engagements vor Ort, die allerdings leider oftmals nicht die gerechtfertigte Anerkennung erhält. Das Ehrenamt.
Einige wenige erfahren Würdigung beispielsweise durch den Bundespräsidenten, andere durch die Verbände oder Kammern, denen sie jahrelang mit Rat und Tat zur Seite gestanden oder die sie als aktiver Teil mitgeprägt haben.
Doch die meisten bleiben unerwähnt. Denjenigen ist dieses Editorial gewidmet. Sie setzen sich Monat für Monat, manchmal sogar jede Woche, neben ihrem Beruf in Ausschüssen und Gremien, Vorständen und Arbeitskreisen ein. Sie arbeiten sich in komplexe berufspolitische – ihnen häufig fremde – Themen ein, verwalten Mitgliedsbeiträge gewissenhaft und sparsam, und entwickeln Strategien, um für die Belange ihrer Kollegen und ihres Berufsstands Gehör zu finden. Manche sehen sich oftmals ungerechtfertigter Kritik und persönlichen Angriffen ausgesetzt, ihre Appelle an die Kollegen, sich ebenfalls zu wichtigen Themen zu positionieren, verhallen ungehört.
Ohne Sie, ohne diese „Ehrenämtler“, gäbe es wichtige Regelungen nicht, wüssten nur wenige, was Ingenieure leisten oder bewegt, würden komplexe und schwierige Inhalte von der Politik nicht aufgegriffen werden – da es niemand verständlich erklärt hat.
Sie können stolz auf sich sein und zu Recht mehr Unterstützung durch die Kollegen einfordern. Sie leisten Arbeit in der Gesellschaft und für den Berufsstand. Das kostet Kraft und Zeit. Ein großes Dankeschön an alle, die sich in dieser Form engagieren.

Ich wünsche allen Leserinnen und Lesern einen ruhigen und glücklichen Jahresausklang und einen guten Start in ein gesundes und erfolgreiches Jahr 2020.

Susanne Scherf


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