19.02.2018 | Ausgabe 01-02/2018

In die Tiefe verlängert

Modernisierte Aufzugsanlagen in einem Büro- und Hotelhochhaus

Bild: Kone

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Das „WestendGate“ gehört seit Jahrzehnten untrennbar zur Frankfurter Skyline. Vor Kurzem wurde das Gebäude umfassend revitalisiert, dazu zählen natürlich auch die Aufzugsanlagen. Insgesamt sieben Aufzüge wurden modernisiert, zwei sogar um zwei Etagen verlängert – und zwar nach unten, um auch die Parkgarage anzufahren.

Das WestendGate gegenüber der Messe-Festhalle ist mit 159 Meter Höhe, 47 Etagen und 27.000 Quadratmeter Bürofläche seit 1976 ein Wahrzeichen der Stadt Frankfurt. 1989 zog das Marriott Hotel ein, das dem Gebäude bis heute seinen inoffiziellen Namen gibt. Um das Gebäude wieder attraktiver zu machen, wurde eine umfassende Sanierung unter der Federführung des Frankfurter Architekturbüros Just/Burgeff durchgeführt. Zu den Maßnahmen gehörte, die Büroflächen an die ästhetischen und funktionalen Anforderungen der Zeit anzupassen, den Eingangsbereich neu zu gestalten sowie die Fassade optisch und energetisch aufzuwerten.
Wesentlich für die Revitalisierung war auch die Modernisierung der Aufzüge. Die Anlagen stammen noch aus den 1970er-Jahren, sie wurden seinerzeit vom US-Konzern Westinghouse geliefert, dessen europäische Aufzugsparte seit 1974 zum Unternehmen Kone gehört. 

Im Zuge der Revitalisierung wurden zwei Schächte verlängert - nach unten, um auch die Tiefgarage anzufahren.
Bild: Kone

Verlängerung der Aufzüge nach unten

Im September 2016 begannen umfangreiche Modernisierungen an den Aufzügen, zu denen eine Vierer-Ferngruppe, eine Zweier-Nahgruppe sowie ein Feuerwehraufzug gehören. Hinzu kam die Installation eines neuen Außenaufzugs. Den Anfang machte die Vierer-Ferngruppe, die das Erdgeschoss mit den Büroetagen 10 bis 23 verbindet. Zwei der vier Anlagen wurden um zwei Etagen nach unten verlängert, um auch die Parkgarage vom Bürobereich aus anzufahren – für die beauftragte Firma Kone bisher einmalig. Dafür mussten zunächst die Statik überprüft und die Decken der Untergeschosse durchbrochen werden. Hinzu kamen Kernbohrungen in den angrenzenden Wänden, um Öffnungen für die neu einzubringenden Schachttüren zu schaffen. „Die größte Herausforderung dabei war, dass jede Bohrung aufgrund der im Hause geltenden Lärmschutzmaßnahmen beantragt und in einem zugewiesenen und freigegebenen Zeitfenster durchgeführt werden musste, um die Gäste des Marriott-Hotels nicht zu stören“, erklärt Detlef Heidrich, Projektleiter bei Kone.
Nach Abschluss der Tragwerksarbeiten im Januar 2016 erfolgte die Modernisierung der Antriebe, Türen, Steuerungen, Trag- und Unterseile sowie Geschwindigkeitsbegrenzer. Im Anschluss wurden die Anlagen per Zielwahlsteuerung „Kone Polaris“ zusammengeschaltet – dadurch wurden Förderkapazität und Nutzerkomfort der Anlagen gesteigert.

Das Zugangssystem „Kone Access“ sorgt für einen optimalen Personenfluss in der Lobby.
Bild: Kone

Einbau des Außenaufzugs

Neben der Vierer-Ferngruppe wurde auch eine Zweier-Nahgruppe modernisiert, also Aufzüge, die zwischen dem Erdgeschoss und dem 10. Stock des WestendGate fahren. Diese Anlagen wurde im Rahmen der Revitalisierung des Gebäudes gebäudeseitig abgetrennt. Sie dienen nun zur Erschließung eines neuen Aparthotels, das auf Langzeitgäste spezialisiert ist. Die Modernisierung umfasste den Austausch nahezu aller Komponenten. Um das Aparthotel zu bewirtschaften und die von der Feuerwehr gestellten Auflagen zu erfüllen, installierte Kone im April 2016 zudem einen Außenaufzug mit einer Förderhöhe von 54 Metern.

Diese Arbeiten erfolgten ebenfalls in einem eng gesteckten Zeitfenster: Das Stahlschachtgerüst wurde innerhalb von zwei Tagen errichtet, die Aufzugmontage erfolgte im Zweischichtbetrieb und nahm nur eine Woche in Anspruch. Hinzu kam die anspruchsvolle Logistik in zentraler Innenstadtlage und durch die Lieferverkehre des Marriott-Hotels. So entstand ein Aufzug vom Typ „MonoSpace 700“, der ohne Maschinenraum auskommt und hauptsächlich vom Servicepersonal des Aparthotels genutzt wird. Gelungen ist auch die Verkleidung, die nahtlos an die Fassade des WestendGate anschließt.

Die Vierer-Ferngruppe verbindet das Erdgeschoss mit den Büroetagen 10 bis 23.
Bild: Kone

Anbindung der Aufzüge an die Zugangskontrolle

Auch der Feuerwehraufzug, der vom Erdgeschoss bis in die 46. Etage reicht, wurde auf den neuesten Stand der Technik gebracht. Wie bei der Zweier- und der Vierergruppe kam hier das Modernisierungspaket „ReGenerate 800“ zum Einsatz, das eine Lösung für die drei Hauptkomponenten von Aufzuganlagen liefert: Antrieb, Steuerung und Signalisation. Zusätzlich wurden die Laufschienen sowie die Türkämpfer bzw. Toptracks der Schachttüren erneuert – und das ohne Eingriffe in die Gebäudesubstanz. „Die Arbeiten mussten möglichst lautlos vonstattengehen, da der Feuerwehraufzug direkt ans Marriott-Hotel grenzt“, berichtet Projektleiter Detlef Heidrich.

Den Abschluss der Aufzugmodernisierung bildete die Installation von „Kone Access“: Das Zugangssystem verbindet die Personenschleusen in der Lobby mit den Aufzügen der Vierergruppe. Hierzu werden Nutzerprofile im „Access“-Server hinterlegt und auf Zugangsberechtigungskarten abgespeichert. In der Praxis funktioniert das so: Der Nutzer hält seine Karte an ein Lesegerät an der Personenschleuse. Diese öffnet sich, und während der Nutzer hindurchgeht, zeigt ein kleines Display an, welcher Aufzug der Vierer-Ferngruppe ihn ans Ziel bringen wird. 


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