19.02.2018 | Ausgabe 01-02/2018

„Operation“ Modulbau

Krankenhauserweiterung mit Hybrid-OP

Bild: Alho Holding GmbH

Mit dem Anbau eines dreigeschossigen Modulgebäudes an den Klinikbestand hat das Siegener Diakonie-Klinikum Jung-Stilling ein besonderes Bauprojekt realisiert. Es bietet auf insgesamt 1.106 Quadratmetern komfortable Arbeitsbedingungen für unterschiedliche Medizinabteilungen und integriert großflächige Hightech-Räume für die Hochleistungsmedizin.

Der bestehende massive Krankenhausbereich wurde um einen dreigeschossigen Anbau mit Gebäudeübergängen auf allen Etagen erweitert. Das Erdgeschoss und das erste Obergeschoss beinhalten Ärztezimmer der Abteilungen Gefäßchirurgie, Urologie und Radiologie sowie Räume für die ambulante Behandlung von Patienten mit Herz-Kreislauf-Erkrankungen. Im zweiten Obergeschoss sind auf 333 Quadratmetern zwei hochmoderne stützenfreie Operationssäle untergebracht. Das Staffelgeschoss als drittes Obergeschoss beherbergt die Technik der raumlufttechnischen Anlagen sowie die ELT-Verteilung. Der Architekt Oliver Schmidt aus Betzdorf realisierte die Krankenhauserweiterung.

Über der OP-Etage ist als Staffelgeschoss die gesamte Technikzentrale mit Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie den raumlufttechnischen Geräten angeordnet.
Bild: Alho Holding GmbH

Einer der beiden Hybrid-OPs, in denen Röntgen-Diagnostik und Operation miteinander verschmelzen, wurde mit einem bildgebenden Diagnosegerät ausgestattet; bei Bedarf kann der zweite OP ebenso ausgerüstet werden. Damit die robotergestützte Anlage installiert werden konnte, musste das Unternehmen Alho die Raummodule entsprechend konstruieren: Das gesamte Gebäude wurde auf einem „Stahlbetontisch“ stabil und ruhig gegründet. Auch der Roboter selbst benötigt eine spezielle Stahlunterkonstruktion, um unbelastet von Schwingungen präzise arbeiten zu können. Des Weiteren sorgte der Hersteller im gesamten Neubau für die medizinische Ausrüstung und setzte die Infrastruktur aller erforderlichen Medien um. Im Bereich der Radiologie wie auch im OP verfügen die Raummodule über einen entsprechenden Strahlenschutz. Die Wände der fensterlosen OPs sind aus Gründen der Hygiene komplett verglast und gewährleisten somit leicht zu reinigende Oberflächen. Die Raumlufttechnik befördert über Laminar Flow gleichmäßig sterile, hochreine Luft turbulenzarm in das Operationsfeld der OPs mit der Raumklasse 1a. In den Raumecken wird die Abluft abgesaugt und über Hochleistungsfilter gereinigt. Über der OP-Etage ist als Staffelgeschoss die gesamte Technikzentrale mit Mess-, Steuer- und Regelungstechnik sowie den raumlufttechnischen Geräten angeordnet, welche die Räume individuell mit der jeweils entsprechenden Luftqualität versorgen. 

Der Transport der 26 teilweise sehr großen Module vor Ort erfolgte mittels eines 500-Tonnen- Mobilkrans.
Bild: Alho Holding GmbH

Zeitgewinn rettet Menschenleben

Jeder Tag, an dem ein Klinikneubau für Operationen und Pflege früher zur Verfügung steht, ist ein Tag, der Menschenleben retten kann. Baugeschwindigkeit ist im Krankenhausbau essentiell. Trotz hoher Anforderungen an die Raummodule und an ihre Ausstattung betrug die gesamte Planungs- und Bauzeit des Bauwerks nur acht Monate. Durch die präzise Planung und die witterungsunabhängige Vorfertigung der Module im Werk kann Alho das ganze Jahr über bauen und die Modulgebäude im Vergleich zur Massivbauweise bis zu 70 Prozent schneller fertigstellen. Bereits der Baugenehmigungsprozess des dreigeschossigen Anbaus wurde durch typengeprüfte Statiken, ausgereifte Details und feststehende Gutachten beschleunigt. Die Montage der Module selbst erfolgte sauber und leise bei laufendem Klinikbetrieb und nahm nur drei Tage in Anspruch. Und obwohl die insgesamt 26 teilweise sehr großen und bis zu 30 Tonnen schweren Stahlrahmenelemente mittels eines 500-Tonnen-Mobilkrans auf der Baustelle bewegt werden mussten, gab es keine Ausfallzeiten oder sonstige Beeinträchtigungen der angrenzenden Gebäude oder Abteilungen. 


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