19.02.2018 | Ausgabe 01-02/2018

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,
2017 ist Geschichte und nach dem Feiertagstrubel sind wir wieder im Alltag angekommen. In der Politik heißt das ganz konkret: Weit über 100 Tage nach der Wahl arbeitet man nach wie vor an einer handlungsfähigen Regierung. Mag der eine oder andere Bürger müde abwinken und sagen, „welche Rolle spielt das noch“, sind andere dazu verdammt, darauf zu warten, dass es in Berlin endlich konkret wird.
In Verwaltungen und Körperschaften, Vereinen oder Verbänden beispielsweise, die auf die Zusammenarbeit mit den Regierenden auf Bundesebene angewiesen sind, herrscht nun schon seit Monaten Ratlosigkeit. Mit wem kann man in den kommenden Wochen planen? Wie werden die neuen Ressorts gestaltet? Gibt es – so der Wunsch vieler – künftig ein gemeinsames Ministerium für Bau und Verkehr?
Die genauen Hintergründe, welche Details nicht passten oder warum ein Konsens oft so schwierig zu erreichen ist, sind nur noch für diejenigen relevant, die Prozesse ausbremsen. Für alle anderen ist die monatelange Warterei schlichtweg ärgerlich. Die Unzufriedenheit in der Bevölkerung – ob gerechtfertigt oder nicht – hat den etablierten Parteien bereits im vergangenen Herbst den Boden unter den Füßen weggezogen. Der häufig genannte „Protestwähler“, der es „denen“ nur mal zeigen wollte, half vielleicht in dunklen Stunden als Trost, dass es so schlimm nicht sei. Verbunden mit der Hoffnung, dass er beim nächsten Mal garantiert wieder anders wählt.
Vergleicht man das, was sich in der Bundespolitik im Augenblick so schwierig gestaltet, mit den (meist) ehrenamtlichen Tätigkeiten gewählter Vorstände in Kammern, Vereinen und Verbänden, dann zeigt sich, dass Wahlen für ein bestimmtes Amt immer eine ernstzunehmende Angelegenheit sind. Es treten engagierte Menschen (häufig neben ihrem Beruf) an, um die Interessen derjenigen zu vertreten, die das von ihnen nun erwarten. Sie arbeiten sich in Gesetzestexte und andere hochkomplexe Zusammenhänge ein, um das Maximum für diejenigen herauszuholen, die ihnen ihre Stimme und damit auch ihr Vertrauen geschenkt haben. Es ist keine leichte Aufgabe, Mitglieder für ein Ehrenamt zu begeistern. Die wenigsten lehnen ab, weil sie keine Lust dazu haben. Häufig liegt es daran, dass sie Respekt vor der Verantwortung haben, die mit der Bereitschaft, eine Tätigkeit für das Gemeinwohl auszuüben, einher geht. Gewählter Vertreter für irgendetwas oder irgendjemanden zu sein, ist kein Amt, das sich zwischen Tür und Angel ausüben lässt. Da ist theoretisch auch wenig Raum für Eitelkeiten ...
Es ist wirklich höchste Zeit, dass endlich einer zukunftsweisenden Regierungsarbeit nachgegangen wird – bevor noch mehr wertvolle Zeit in einem Vakuum verstreicht. Aufgaben, die dringend vorangebracht werden müssen, gibt es auch im Baubereich mehr als genügend.

Susanne Scherf


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