11.12.2017 | Ausgabe 12/2017

Editorial

Liebe Leserinnen und Leser,

eine Umfrage der Deutschen Energie-Agentur (dena) unter den internationalen Teilnehmern einer Veranstaltung hat ergeben, dass die deutsche Energiewende im Ausland nach wie vor als Erfolg wahrgenommen wird. Gleich drei Viertel der Befragten sehen sie positiv. Dabei zeigte sich laut dena auch, dass Entwicklungs- und Schwellenländer ein besseres Bild der deutschen Energiewende haben als Industrieländer. Dem Umbau der deutschen Energieversorgung weg von Öl, Kohle, Gas und Atomkraft hin zu Erneuerbaren Energien traut man zu, großen Einfluss bei Innovationskraft, Forschung und Entwicklung sowie bei der Schaffung von Arbeitsplätzen und dem Erreichen der Klimaziele zu haben.
Es ist schön zu lesen, dass Deutschland auf vielen Gebieten und in zahlreichen Disziplinen hohe Anerkennung erfährt. Auch und insbesondere im Bereich der Ingenieurwissenschaften genießt das „German engineering“ einen ausgezeichneten Ruf. Doch die Kammern warnen – zu Recht – dass den Absolventen mancher Ingenieurstudiengänge niedrige Qualitätsanforderungen möglicherweise das Studium erleichtern und „schmackhafter“ machen; spätestens mit dem Eintritt in das Berufsleben würde sich ihnen aber schonungslos offenbaren, ob sie der Berufsbezeichnung „Ingenieur“ und den damit verbundenen Ansprüchen, der Verantwortung und den Herausforderungen gerecht werden.
Die Fachleute sehen in der immer stärkeren Verwässerung der Studieninhalte eine Gefahr für die Marke des deutschen Ingenieurwesens und eine Schwächung der internationalen Wettbewerbsfähigkeit des Bildungsstandortes Deutschland. Schon lange lassen sich die kritischen Stimmen nicht mehr als „Unkenrufe“ abtun. Die Anzahl der Büros, die händeringend nach qualifizierten Mitarbeitern suchen, steigt. In Niedersachsen ist es dem Berufsstand jetzt in einer konzertierten Aktion von Kammern und Verbänden gelungen, den Gesetzgeber davon zu überzeugen, dass ein technisch-naturwissenschaftliches Studium 70 % MINT-Anteile beinhalten sollte, um als solches anerkannt zu werden. Es ist ein beachtenswerter Erfolg, der Vorbild sein kann.
Weder dem Ingenieurnachwuchs noch dem deutschen Wirtschaftsstandort oder dem Ansehen unserer Ausbildungsqualität ist geholfen, wenn dem Mangel an qualifiziertem Personal durch „Lightversionen der Marke Ingenieur“ entgegengesteuert wird. Das schafft lediglich neue Probleme in einem grundsätzlich schon hochkomplexen Berufsumfeld.
Zu hoffen bleibt, dass die Kammern im kommenden Jahr bei den Themen, für die sie sich schon so lange stark machen, einen großen Schritt weiterkommen. Spannend ist, wer sie politisch als verlässlicher Partner begleiten und in ihrer Sache unterstützen wird.

Ich wünsche Ihnen, liebe Leserinnen und Leser, friedliche Feiertage, einen erholsamen Jahresausklang und einen gesunden Neustart im Jahr 2018.

Susanne Scherf


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