01.11.2014 | Ausgabe 11/2014

Editorial

Susanne Scherf

Susanne Scherf

Liebe Leserinnen und Leser,
manchmal fällt es sehr schwer, die passenden Worte zu finden. Vor einigen Wochen ist Dr. Karl Heinrich Schwinn verstorben. Persönliche und berufliche Lebensgeschichten verbinden viele von uns mit ihm – innerhalb und außerhalb der Kammern. Für die Zukunft bleibt die Gewissheit, dass kommende Generationen ihn als einen für den Berufsstand wichtigen und prägenden Menschen wahrnehmen werden. Seine Leistungen sind dokumentiert, in Chroniken, Büchern und Festschriften. Die Bundesingenieurkammer, die er als ihr Präsident mitgestaltet hat, feiert in diesem Jahr ihren 25. Geburtstag. Und selbstverständlich sind die Präsidenten von der Gründung bis heute in dem Beitrag zur Geschichte der BIngK in dieser Ausgabe aufgeführt. Sie stehen stellvertretend für all diejenigen, die sich für den Berufsstand engagieren und denen selten ein Denkmal gesetzt wird.
Nun schreibt sich so ein Satz ganz leicht. In dieser oder ähnlicher Form wurde er schon zigmal gesagt, gedacht, geschrieben. Aber was steckt tatsächlich hinter dieser Formulierung, „sich für den Berufsstand engagieren“? Ich bezweifle, dass ein Großteil von uns überhaupt wahrnimmt, was die „Ehrenämtler“ alles tun. Es ist eine verschwindend kleine Gruppe Menschen, die weder Zeit noch Nerven schonen, um für ihre Kollegen bessere Honorierungen, die Qualität in der Ausbildung und Berufsausübung und die Aufmerksamkeit von Politik und Öffentlichkeit für die Belange aller zu erkämpfen. Neben ihrem Berufsalltag, neben ihrem Privatleben. Auf die Schulter wird ihnen selten geklopft, Kritik – berechtigt oder unberechtigt – müssen sie aushalten können, ihre Expertise ist häufig erst dann gefragt, wenn ein Problem sich verfestigt hat und keiner weiß, wie man es jetzt noch lösen kann. Eines ist sicher tröstlich: Dieses Schicksal teilen sie mit allen, die sich haupt- oder ehrenamtlich im Interesse anderer einbringen.
Aber noch etwas anderes fällt auf. Einige von denen, die vor fünfundzwanzig Jahren als junge Männer und Frauen begonnen haben, sich auf Bundes- und Landesebene stark zu machen und für die Sache aller Ingenieure zu werben, müssen auch heute noch die vielen Anforderungen meistern und die Verantwortung für den Berufsstand tragen. Es ist höchste Zeit, auch die Jüngeren für ein Amt im Dienste aller zu begeistern. Je zahlreicher die Unterstützer sind, umso leichter ist die Last für den Einzelnen. In dem Wort Ehrenamt steckt primär das Wort „Ehre“. Für viele Präsidenten, Vorstandsmitglieder oder Arbeitskreismitglieder gehört es zum Selbstverständnis dazu, sich einzubringen und mitzugestalten. Einer ist nun gegangen, und die Lücke lässt sich menschlich nicht füllen. Aber er war beispielgebend und ich hoffe, dass er den einen oder anderen inspirieren konnte, sich für die Ingenieure stark zu machen.

Susanne Scherf

sks@deutsches-ingenieurblatt.de


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