01.05.2013 | Ausgabe 05/2013

Editorial

Von Susanne Klingebiel-Scherf

 

Liebe Leserinnen und Leser,

vor einigen Jahren wurde die Bundesstiftung Baukultur gegründet. Als „unabhängige Instanz“, die sich für „die Belange der Baukultur einsetzt“, und „die gebaute Umwelt zu einem Thema von öffentlichem Interesse machen will“. Denn die Baukultur beeinflusst maßgeblich die Lebensqualität aller ... So nachzulesen auf den Internetseiten der Bundesstiftung Baukultur. Ich habe keinen Hinweis gefunden, der aussagt, dass Baukultur ausschließlich Aufgabe der Architekten sei. Grundsätzlich sind also Ingenieure und Architekten gemeinsam gefordert, das Thema aufzugreifen und mit ihren Beiträgen zu besetzen. Zu Recht hat Bundeskammerpräsident Hans-Ullrich Kammeyer auf der Bundeskammerversammlung im April darauf hingewiesen, dass die Ingenieure sich stärker einbringen müssen. Es reicht nicht aus, dass der Berufsstand eine konkrete Vorstellung davon hat, wie groß sein Anteil an der hohen Lebensqualität der deutschen Bevölkerung ist. Baukultur definiert sich nun mal nicht nur nach ästhetischen Aspekten sondern zu einem hohen Maße aus der Funktionalität der gebauten Umwelt, der Infrastruktur und der Versorgungssicherheit, die wir gewohnt sind – und die für unsere Zivilisation unverzichtbar geworden ist. Wenn Ingenieure sich in der öffentlichen Wahrnehmung an den Rand gedrängt sehen, dann müssen sie sich die Frage stellen, warum sie es zulassen? Die Redaktion hat sich mit dem für die Baukultur zuständigen Vorstandsmitglied der BIngK Prof. Dr. Stephan Engelsmann zu einem Stadtspaziergang verabredet, um aus der Sicht eines Ingenieurs die Baukultur einer Stadt zu zeigen. Spannend, imponierend und schön – das waren die Eindrücke, die wir mit nach Hause genommen haben. Und auch: Lust auf mehr. Zeigen Sie, was Sie können, erklären Sie es der Öffentlichkeit. Es ist vieles so selbstverständlich: Dass wir Brücken befahren und Gebäude betreten können, ohne uns Gedanken über Standfestigkeit oder Funktionalität zu machen. Dass Wasser fließt, wenn wir sanitäre Anlagen benutzen, dass der Strom aus der Steckdose kommt. Das ist ausweitbar auf so viele Bereiche in unserem alltäglichen Leben. Sie kennen die Kampagne „Kein Ding ohne ING.“? Kaum eine andere Marketing-Aktion hat in den vergangenen Jahren so einprägsam das Leistungsspektrum der Ingenieure abgebildet. Und viele Ingenieure waren begeistert und stolz darauf. Wäre es nicht mal wieder
an der Zeit, das erneut mit Leben zu füllen – bundesweit? Warum in derzweiten Reihe warten, bis mal jemand kommt und fragt? Ingenieure sind aufgefordert, selbstbewusst zu zeigen, was sie tun – und eigentlich müsste das auch selbstverständlich sein.

Susanne Klingebiel-Scherf
sks@deutsches-ingenieurblatt.de

Rubrik: EDITORIAL


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