19.05.2020 | Ausgabe 05/2020

Korrosions- und Brandschutz für Hamburgs öffentlichen Nahverkehr

Neue Haltestelle „Elbbrücken“

Der neue U-Bahn-Haltepunkt „Elbbrücken“ in Hamburg / Quelle: Sika Deutschland GmbH

Die Stahlkonstruktionen an Hamburgs neuem Halte- und Umsteigepunkt „Elbbrücken“ für U- und S-Bahn-Fahrgäste sind mit Beschichtungssystemen langfristig vor Korrosion und gegen Brand geschützt. Novum bei diesem Bauvorhaben ist der zusätzliche Einsatz eines Brandschutzsystems, welches nicht nur die Feuerwiderstandsdauer der tragenden Bauteile erhöht, sondern auch den hohen Anforderungen an einen Korrosionsschutz in maritimer Umgebung gerecht wird.

Hamburgs HafenCity ist das bedeutendste Stadterweiterungsgebiet der Metropolregion. Im Osten entsteht dort aktuell das neue Quartier „Elbbrücken“ mit Wohnräumen, Büros und dem ersten Wolkenkratzer Hamburgs. Die neue U- und S-Bahn-Haltestelle wird künftig von bis zu 20.000 Fahrgästen täglich genutzt. Dazu zählen nicht nur die Einwohner Hamburgs, sondern auch zahlreiche Touristen. Entsprechend hoch sind die funktionalen und architektonischen Ansprüche an den Bau der neuen Verkehrsinfrastruktur, denn auf den letzten Metern verläuft die U-Bahn oberirdisch. Von dem hochgelegenen gläsernen Bahnhof aus wie auch am Verkehrsknoten selbst bieten sich den Passagieren eindrucksvolle Blicke auf Hamburgs Wahrzeichen wie Elbphilharmonie, Michel und Elbe.

Baumstützen aus Stahl tragen das obere Stockwerk des neuen U-Bahnhofs. Sie sind gleichzeitig gegen Korrosion und Feuer mit Beschichtungssystemen geschützt.
Baumstützen aus Stahl tragen das obere Stockwerk des neuen U-Bahnhofs. Sie sind gleichzeitig gegen Korrosion und Feuer mit Beschichtungssystemen geschützt. / Quelle: Sika Deutschland GmbH

Preisgekrönte Bahnsteigüberdachung aus Stahl und Glas

Die Konstruktion der Bahnsteigüberdachung für die U-Bahn- wie auch für die S-Bahn-Haltestelle besteht aus einem außen liegenden gebogenen Tragwerk aus Stahl. Darunter verläuft die abgehängte Verglasung des Hallendachs. Die Stahlbögen überspannen die Haltestellen diagonal und sind verdrillt gekrümmt. Das ausführende Stahlbauunternehmen SEH Engineering hat dafür eigens Biege- und Montagevorrichtungen entwickelt, um den Profilverlauf der geschweißten, doppel-T-förmigen und verschränkten Bogenbinder exakt zu realisieren. Bei der Vergabe des Stahl-Innovationspreises 2018 der Wirtschaftsvereinigung Stahl wurde die SEH Engineering für die Konstruktion des Stahldachs mit dem 1. Preis in der Kategorie „Stahl im Bauwesen“ ausgezeichnet.
In der Halle der U-Bahn-Haltestelle befinden sich drei Ebenen. Dort haben die Fahrgäste Zugang zu den Zügen und Möglichkeiten zur sicheren Querung der Gleise. Über eine Fußgängerbrücke, den sogenannten „Skywalk“, ist der U-Bahnhof mit der künftigen S-Bahn-Haltestelle verbunden. Die Deutsche Bahn ist Betreiber der S-Bahn-Linie und hat den neuen Haltepunkt im Dezember 2019 eröffnet.

Einzigartige Kombination aus Korrosions- und Brandschutz

Der gesamte Stahlüberbau der S- und U-Bahn-Haltestelle wird mit einem Beschichtungssystem von Sika gemäß TL/TP-KOR-Stahlbauten, Blatt 87, vor Korrosion geschützt. Dieses besteht aus der Grundbeschichtung „SikaCor Zinc R“, dem Kantenschutz „SikaCor EG Phosphat“ und der Zwischenbeschichtung „SikaCor EG-1“. Die abschließende Deckbeschichtung „SikaCor EG-4“ wurde im Farbton DB 702 appliziert. Die Untersichten des Gleisüberbaus und die Baumstützen am U-Bahn-Haltepunkt sind mit einem 2-komponentigen Brandschutzsystem versehen: Um die Feuerwiderstandsdauer der tragenden Bauteile zu erhöhen, wurde auf die Grundbeschichtung SikaCor Zinc R und den Kantenschutz SikaCor EG Phosphat der Dämmschichtbildner „Sika Unitherm Platinum“ appliziert. Als abschließende Deckbeschichtung kam auch hier SikaCor EG-4 im Farbton DB 703 gemäß Blatt 87 zum Einsatz. Der Stahlüberbau der U-Bahn-Endhaltestelle „Elbbrücken“ in Hamburg ist damit eine der ersten Stahlkonstruktionen, die komplett mit einem Korrosionsschutzsystem von Sika gemäß Blatt 87 in Kombination mit einem Sika-Brandschutzsystem ausgestattet ist. Beide Systeme des Herstellers sind miteinander kompatibel und damit in dieser Kombinationsfähigkeit einzigartig auf dem Markt. Das Resultat sind erhebliche Zeiteinsparungen bei der Fertigung im Werk und auf der Baustelle, da keine unterschiedlichen Grund- und Deckbeschichtungen verwendet werden müssen.

Nach dem Verschweißen der Tragwerkskonstruktion werden vor Ort die Schweißstöße mit dem Korrosionsschutzsystem schichtweise auf das Werksbeschichtungsniveau gebracht.
Nach dem Verschweißen der Tragwerkskonstruktion werden vor Ort die Schweißstöße mit dem Korrosionsschutzsystem schichtweise auf das Werksbeschichtungsniveau gebracht.
Abschließend erhält die gesamte Stahlkonstruktion der S-Bahn-Überdachung ihre architektonische Deckbeschichtung. / Quelle: Sika Deutschland GmbH

Fertigstellung der Schutz- und Abdichtungssysteme auf der Baustelle

Die werkseitige Vorbeschichtung der Stahlelemente erfolgte durch die Firma Surface Protection, einem Tochterunternehmen der SEH Engineering. Besonderes handwerkliches Können war bei den Beschichtungsarbeiten an den runden Baumstützen des Skywalks erforderlich, um eine gleichmäßige Schichtdicke des Materials zu erzielen. Die Schweißstöße wurden bauseits entsprechend den Vorgaben der ZTV-ING, Teil 4, Abschnitt 3 – Korrosionsschutz von Stahlbauteilen mit der Grundbeschichtung, dem Kantenschutz und der Zwischenbeschichtung auf das Niveau der Werksbeschichtung gebracht. Abschließend wurde die gesamte Stahlkonstruktion mit der Deckbeschichtung SikaCor EG-4 im Farbton DB 702 beschichtet. Die Beschichtung der Deckblechoberseiten im Bereich der Gleisquerung und der Fußgängerbrücken erfolgte gemäß ZTV-ING, Teil 7, Abschnitt 4 – Brückenbeläge auf Stahloberflächen. Dafür wurde „Sika Ergodur 500 S“ als Grundbeschichtung zweifach appliziert. Anschließend folgte die Abdichtung mittels einer Bitumen-Schweißbahn. Insgesamt sind an den neuen Haltestellen „Elbbrücken“ rund 12.000 Quadratmeter der Stahlkonstruktionen mit Systemen der Sika Deutschland geschützt.

BAUTAFEL

Objekt: Haltestelle „Elbbrücken“der U-Bahnlinie U4 und S-Bahn
Bauzeit U-Bahn: 2016-2018
Bauzeit S-Bahn: 2018-2019
Bauherr U-Bahn: Hamburger Hochbahn AG
Bauherr S-Bahn: Deutsche Bahn AG
Architekt: U- Bahnhaltestelle und Überdachung S-Bahnstation: von Gerkan, Marg und Partner
Tragwerksplaner: Schlaich Bergermann Partner Stuttgart
Ausführung Stahlbau und werkseitige Beschichtungsarbeiten: SEH Engineering GmbH, Hannover
Beschichtungsarbeiten vor Ort: Korrosionsschutz Naumann (U-Bahn), EnBeKo GmbH (S-Bahn)
Hersteller der Beschichtungssysteme für Korrosionsschutz und Brandschutz: Sika Deutschland GmbH, Stuttgart
Produkte: SikaCor Zinc R, SikaCor EG Phosphat, SikaCor EG-1, SikaCor EG-4, Sika Unitherm Platinum, Sika Ergodur 500 S


 

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