16.12.2019 | Ausgabe Digitalbau2020 - 12/2019

Fristgerecht fertig – auch dank digitaler Bausteuerung

Multifunktionales Gebäude in München

Im Vergleich zum niederländischen Expo2000-Pavillon, dem Vorbild des neu gebauten „Werk 12“ in München, gibt es einen markanten Unterschied: Einer Comicsprache entlehnte Ausrufe in fünf Meter hohen Versalien prägen die Fassadengestaltung maßgeblich. / Quelle: URKERN2019

Die Ingenieurgesellschaft Catterfeld Welker zeichnete beim fünfgeschossigen Gebäudekomplex „Werk 12“ in München für die Objektüberwachung verantwortlich. Die fristgerechte Fertigstellung erreichten die Planer trotz Widrigkeiten mithilfe einer digitalen Bausteuerung von Capmo.

Einst wurden hier Knödel geknetet und Mineralöl veredelt, später viel getanzt, gefeiert und Kunst geschaffen. Seit 2017 ist das alte Industrieareal östlich des Münchner Ostbahnhofs in Berg am Laim, das früher von den Firmen Pfanni und Optimol geprägt wurde, Gegenstand eines umfassenden Stadtentwicklungsprojekts. Das Werksviertel soll in den kommenden Jahren zu einem Mischquartier mit Kultur, Büro, Wohnen, neuer Infrastruktur und Grünanlagen gedeihen. Unter den bereits fertiggestellten Gebäuden sticht keines so hervor wie das Werk 12. Das Mischgebäude aus der Feder des niederländischen Architekturbüros MVRDV bildet auf dem Knödelmarkt das aufsehenerregende Herzstück des neuen Viertels. Rundumverglasung, davor dramatische Treppenaufgänge zu weit auskragenden, umlaufenden Terrassen auf allen Ebenen: Das Äußere von Werk 12 ist eine eindeutige Reminiszenz an den niederländischen Pavillon zur Expo2000 in Hannover, eins der berühmtesten frühen Werke von MVRDV. Die Innenräume erreichen eine Höhe von fünf Metern und sind durch Emporen und Splitlevels zusätzlich strukturiert.

Dass diese Landmarke trotz nachträglicher Ein- und Umbauten fristgerecht fertiggestellt werden konnte, ist in erheblichem Maße den Vorteilen einer digitalen Bausteuerung zu verdanken.

Das Erdgeschoss gehört mehreren Bars und einem Restaurant, das Dachgehschoss den Kreativ-Büroflächen eines Autoherstellers. Dazwischen erstreckt sich auf drei Geschossen ein Fitnessstudio samt Sport-Pool im dritten Obergeschoss. / Quelle: URKERN2019

Digital dem Zeitdruck trotzen
Eröffnet wurde das Werk 12 offiziell Mitte Oktober 2019, das Fitnessstudio nahm seinen Betrieb aber bereits Mitte Mai auf. Dass zu diesem Zeitpunkt tatsächlich alles fertiggestellt war und funktionierte, war in Anbetracht besonderer Widrigkeiten keine Selbstverständlichkeit: Der Eröffnungstermin des Fitnessstudios war bereits zu einem Zeitpunkt bekannt gegeben worden, zu dem Mieterwünsche und nachträgliche Änderungen teilweise noch gar nicht berücksichtigt worden waren. Dadurch gerieten die Baufirmen gehörig unter Zeitdruck. Um den Zeitplan für den anspruchsvollen Bau mit seiner vielseitigen Nutzung und verschiedensten Anforderungen einhalten zu können, wurden Arbeitsabläufe daher mittels der Bausteuerungssoftware des Münchner IT-Unternehmens  Capmo digital optimiert. „Schon seitJahren arbeiten wir mit digitalen Mängelmanagement- und Dokumentationssystemen für die Abwicklung der verschiedenen Baustellen“, erzählt Falk Hartmann, geschäftsführender Gesellschafter bei Catterfeld Welker. Die inhabergeführte Ingeneurgesellschaft für Bauabwicklung zeichnete beim Projekt Werk 12 für die Objektüberwachung verantwortlich. Die digitalen Werkzeuge, die das Unternehmen bislang verwendet hatte, waren irgendwann nicht mehr heutigen Anforderungen entsprechend weiterentwickelt worden und wiesen insbesondere in Hinblick auf Mobilität und Bedienung Schwächen auf. „Die ersten digitalen Mängelmanagementsysteme in Deutschland waren für die damals übliche PC-Nutzung ausgelegt und zumeist sehr komplex und kompliziert im Aufbau. Um mit der Zeit zu gehen, hatten wir uns nach der jahrelangen Erfahrung mit diesen ursprünglichen Systemen einen Überblick über den Markt und die in Europa zur Verfügung stehenden Programme verschafft“, erklärt Falk Hartmann. „Auf Grundlage verschiedener Testphasen auf unterschiedlichen Baustellen und durch diverse Bauleiter haben wir uns vor knapp zwei Jahren dazu entschieden, mit Capmo zusammenzuarbeiten.“

Bei Nacht verschwimmt die Fassade dank eines ausgeklügelten Belichtungskonzepts
in einer eigenen Lightshow. / Quelle: URKERN2019

Software für Baudokumentation und Mängelmanagement
Das Unternehmen Capmo wurde im Februar 2018 von Dr.-Ing. Patrick Christ, Florian Biller, Florian Ettlinger und Sebastian Schlecht in München gegründet. Ihre gleichnamige Software ermöglicht eine papierlose, beweissichere Dokumentation, klare und reibungslose Kommunikation sowie einen stets konsistenten, weil aktuellen Planungsstand für alle Projektbeteiligten. Die Funktionsweise ist einfach: Zunächst werden die aktuellen Pläne in das Programm hochgeladen. Die übrigen Projektbeteiligten treten anschließend auf Einladung dem Capmo-Projekt bei. Via Cloud werden sämtliche Daten aktuell gehalten, sodass alle Beteiligten stets auf dem neuesten Stand sind. Bei fehlender Internetverbindung lässt sich auch offline weiterarbeiten. Die SaaS (Software as a Service) läuft auf allen gängigen Betriebssystemen und Endgeräten. Auffälligkeiten wie Baumängel können einfach per Tablet- oder Handykamera dokumentiert und samt Zeitstempel der jeweiligen Stelle im Plan zugeordnet werden. Mittels Sprache-zu-Text-Funktion oder einfach der Texteingabe lassen sich zudem Bemerkungen bestimmten Planpositionen zuordnen. Aufgaben werden als Tickets direkt den zuständigen Personen zugeteilt, die diese wiederum nach Erledigung als „freigemeldet“ markieren. Bautagebuch oder Mängellisten lassen sich einfach und mobil auf der Baustelle führen. Beweissichere Berichte können im Büro mit einem einzigen Klick erstellt und datenschutzkonform an externe Partner versandt werden. In Kombination mit einer intuitiven Bedienung führt dies zu einer erheblichen Effizienzsteigerung. 

Dass die Software hält, was sie verspricht, kann Falk Hartmann bestätigen: „Die vielseitige  Nutzung und hohe Akzeptanz desProgramms seitens der Baufirmen war eine Grundvoraussetzung für unsere Entscheidung. Capmo erwies sich hier als die beste Basis für unsere praxisbezogenen Ansprüche. In Zusammenarbeit mit Capmo konnten wir außerdem gemeinsam Funktionen weiterentwickeln und so für unsere Bauprojekte – insbesondere für Großbaustellen mit vielen Bauleitern, die zusammen die Projektdokumentation erstellen – die Mängelaufnahme und -verfolgung optimieren.“ Diese Optimierung bewährte sich schließlich am Werk 12. Die dort tätigen Baufirmen hatten sich bereits in die Software eingearbeitet und mit ihr angefreundet. Die im Zuge der Abnahme und durch die nachträglichen Ein- und Umbauten erst kurzfristig aufgekommenen Themen konnten somit digital an die Firmen kommuniziert und mithilfe der Bilddokumentation und Verortung in den Plänen in kurzer Zeit abgearbeitet werden. Aufgrund dieser hohen Effizienz wurde das Ausnahmegebäude zur vollen Zufriedenheit sowohl der Bauherrschaft als auch der Nutzer fristgerecht fertiggestellt und eröffnet.


 

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